Madrid – In einer der heftigsten Krisen der vergangenen Jahrzehnte macht sich Champions-League-Sieger Real Madrid auf die Suche nach einem „harten Hund“. Der spanische Topclub gab nach dem 1:5-Debakel im 272. Clásico beim FC Barcelona und nur einem Punkt aus den letzten fünf Liga-Spielen die erwartete Trennung von Trainer Julen Lopetegui bekannt.
Medienberichten zufolge will Real-Präsident Florentino Pérez den vereinslosen Italiener Antonio Conte oder den derzeit bei Manchester United unglücklichen Ex-Königlichen José Mourinho als Nachfolger nach Madrid holen. Zwei Männer, die wegen ihrer autoritären Persönlichkeiten berühmt-berüchtigt sind.
Bei einer Vorstandssitzung am Abend im Santiago Bernabéu konnte Pérez aber noch keinen neuen Trainer präsentieren. Daher wird der Coach des Real-B-Teams, Santiago Hernán Solari, 42, übergangsweise übernehmen.
Länger als zwei Wochen ist gemäß den Verbandsregeln aber keine Interimslösung möglich. Die Zeit drängt also. Und die Gespräche mit Conte, Topfavorit von Pérez, gestalteten sich plötzlich schwierig. Vonte, 49, habe erklärt, er wolle das „Zukunftsprojekt“ im Detail kennen und studieren, schrieb „AS“.
Doch was für einen Trainer braucht dieses Team überhaupt? Dass Pérez die richtigen Schlüsse aus der Malaise zieht, glaubt Poli Rincón. „Das Team braucht eine harte Hand, eine sehr, sehr harte Hand“, sagte der frühere Nationalspieler und Real-Profi.
Sergio Ramos denkt ganz anders. Der Kapitän hatte die Pleite gegen den Erzrivalen noch nicht einmal verarbeitet, als er von einem Journalisten gefragt wurde: „Conte ist ein Trainer der harten Hand, eine gute Lösung“? Die Antwort: „Respekt muss man sich verdienen und nicht aufzwingen wollen.“
Als Mourinho zwischen 2010 und 2013 Trainer bei Real war, hatte der eigenwillige Portugiese mit den Stars große Probleme. Das führte zu Konfrontationen nicht nur in der Kabine, sondern auch mit Medien und Fans. Mit „Mou“ holte der Verein nur je einmal den Pokal (2011) und den Titel in der Liga (2012). Mit einem anderen „harten Hund“ klappte es bei Real in der jüngeren Vergangenheit noch um einiges schlechter. Der Spanier Rafa Benítez wurde Ende 2015 schon nach nur wenigen Monaten im Amt vor die Tür gesetzt.
Die spanischen Nationalspieler des FC Chelsea, wo Conte noch letzte Saison tätig war, sollen den Real-Kickern bei „La Roja“ im WM-Trainigslager berichtet haben, der Italiener sei „unerträglich“. Das behauptete zumindest die Zeitung „El País“.
Was sagte Ramos noch zur möglichen Verpflichtung eines autoritären Trainers? Die Beziehungen zu den Spielern seien wichtiger als Fachkenntnisse. Er fügte hinzu: „Mit Trainern, die ihr alle kennt, haben wir ja alles gewonnen.“ Gemeint war natürlich vor allem Zinedine Zidane. Der Franzose hatte mit seiner leisen Art das Millionärsensemble im Griff. Das Ergebnis: Drei Champions-League-Triumphe in Serie.