Ohne Urgewalt in Rödinghausen

von Redaktion

Der FC Bayern erreicht mit einem schmeichelhaften 2:1 das Pokal-Achtelfinale

VON MICHAEL NADLER

Osnabrück – Es ist nur wenigen bekannt, aber von den Probekicks, die der FC Bayern im Sommer bestreitet, hat einer, wenn er denn zustande kommt, für die Bosse oft Lackmustestcharakter. Wenn im Trainingslager am Tegernsee gegen eines der hiesigen Teams ein ordentliches Resultat erzielt wird – in heutiger Zeit ist das weit jenseits der 10-Tore-Marke –, sind die Münchner Stars in Ordnung. Früher stauchte Stefan Effenberg die anderen zusammen, wenn es nach 30 Minuten keine klaren Verhältnisse gab, Lothar Matthäus wurde ungehalten, Klaus Augenthaler begann zu grätschen – und am schlimmsten war der Müller Gerd, wenn er nicht mindestens zehn Treffer erzielen durfte. Heuer gewannen die Bayern gegen den FC Rottach 20:2. Man dachte: Die Stars sind in Ordnung. Aber seitdem läuft einiges schief.

In der zweiten DFB-Pokalrunde bekamen es die Bayern nun mit dem FC Rödinghausen zu tun, und auch wenn man gegen einen Regionalligisten nicht unbedingt ein Resultat weit jenseits der 10-Tore-Marke zu erwarten hat, sollten Stars da nicht ins Straucheln geraten. Das 2:1 konnte daher kaum zufrieden stimmen. Es fehlt die Urgewalt vom Tegernsee, die man braucht, wenn man zeigen will, wer in dieser Fußball-Republik das Sagen hat. Grundgesetz inklusive.

Die Gegner standen tief, der Platz war seifig, der Regen verwandelte den Rasen in ein feuchtes Biotop, das Kaulquappen Freude machte, aber keinen Stars aus der Großstadt – doch all das war keine echte Entschuldigung für den niveauarmen Auftritt der Bayern. In der ersten Hälfte hatte wenigstens Renato Sanches noch aufgetrumpft – aber auch die starke Darbietung des Portugiesen erhielt einen Schönheitsfleck: In der 23. Minute vergab er die Chance, die Partie schon frühzeitig zu entscheiden, als er einen Elfmeter an die Latte setzte. Es wäre das 3:0 gewesen. Dann wurde es haarig.

Bereits nach acht Minuten hatte Sanches einen schönen langen Ball von Rafinha direkt zu Sandro Wagner weitergeleitet, der volley abschloss. Fünf Minuten später holte Sanches den ersten schmeichelhaften Elfmeter der Partie raus. Thomas Müller verwandelte. Nachdem Sanches die Szene mit einem fantasievollen Dribbling eingeleitet hatte, bei der den Bayern ein erneut zweifelhafter Elfmeter zugesprochen wurde, wollte er den Strafstoß vollstrecken. Doch er versuchte, die Sache zu gut machen; Torwart Heimann lag verladen im falschen Eck, die Kugel aber prallte vom Querbalken zurück.

Die Münchner verloren darauf zunehmend den Faden. Bis zur Halbzeit ergaben sich zwar für Leon Goretzka und Müller Chancen, doch auch die Gastgeber durften einige Ausflüge vor das Gehäuse der Münchner unternehmen. Als es in die Halbzeit ging, moserte Müller. Er war ziemlich fuchsteufelswild. Niko Kovac stapfte unterdessen fürsorglich geschützt durch den Regen in Richtung Kabine; der Coach fand unterm Schirm von Sportdirektor Hasan Salihamidzic Unterschlupf.

Die Bayern im Herbst 2018, sie sind einfach nicht so sattelfest, wie sie sein müssten. Das wurde nach dem Wiederanpfiff deutlich, als der Außenseiter eine Riesenchance bekam – und es kam noch schlimmer: Javi Martinez ließ Lunga flanken, Linus Meyer entwischte Niklas Süle und Rafinha, das Anschlusstor hatten sich die Hausherren redlich verdient. Die Bayern versuchten, sich weiter durchzukombinieren. Franck Ribery scheiterte einmal, es kam aber im Grund nur wenig Zwingendes heraus. Thiago schlich mit bandagiertem Knöchel davon, ein bezeichnendes Bild für die Bayern. Sie laufen nicht rund, und es macht sie auch keiner rund, wenn es nicht läuft. Ohne Urgewalt in Rödinghausen, ein Viertligist bestraft das nicht.

Ein anderer aber schon.

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