München – Im April war es die aufreibende Finalserie der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), sie erstreckte sich über die Maximaldistanz von sieben Spielen, das Momentum sprang hin und her. Mit dieser Erinnerung blickt man auf die neuen Begegnungen zwischen EHC München und Eisbären Berlin. Das erste Spiel in der Bundeshauptstadt hatte Meister München zum Saisonauftakt 4:2 gewonnen, das zweite am Allerheiligenabend ging wieder an den EHC. Diesmal mit 3:1 (1:0, 1:0, 1:1).
EHC Red Bull München gegen Eisbären Berlin – das war die offizielle Bezeichnung für die Partie. Tatsächlich standen sich von Meister- und Vizemeisterteam nur Fragmente gegenüber. Nicht nur wegen der üblichen personellen Veränderungen, die sich nach einer Saison immer ergeben, sondern aufgrund beidseitiger akuter Ausfallmisere. Beim EHC München kehrte zwar Verteidiger Andrew Bodnarchuk zurück aufs Eis, jedoch gesellten sich zu den bekanntermaßen länger fehlenden Akteuren (Wolf, Christensen, Parkes, Shugg) aktuell noch Jason Jaffray und der wegen eines Trauerfalls in der Familie heimgereisten John Mitchell. Mit Justin Schütz und Hagen Kaisler hat es auch zwei der Förderlizenzspieler schon erwischt. Neben den Talenten aus der Salzburger Schmiede, die auch für den SC Riessersee lizenziert sind, orderte Trainer Don Jackson auch noch Philipp Wachter an, einen 23-Jährigen, der beim Kooperationspartner SCR Stürmer spielt und in der Oberliga noch torlos ist. Er blieb gestern aber ohne Eiszeit.
Der EHC präsentiert sich derzeit also als eine Art SG München-Garmisch-Liefering, doch auch im Berliner Kader sind Schneisen sichtbar. Eisbären-Trainer Clement Jodoin musste auf drei Kräfte (Hessler, Jahnke, Adam) zurückgreifen, die eigentlich für die Lausitzer Füchse am DEL2-Standort Weißwasser vorgesehen sind. Die Polarfüchse Berlin-Sachsen sozusagen.
Das Spiel: Es war nicht mitreißend, weit entfernt von Intensität und Klasse der Playoff-Serie, aber es war eng und spannend. Das 1:0 für München erzielte Maxi Kastner, bei seinem Schuss aus eher ungefährlichem Winkel sah Eisbären-Torwart Kevin Poulin, den EHC-Nationalspielern bekannt aus dem Olympia-Halbfinale mit Kanada, schlecht aus. „Wenn man schießt, kann so ein Ding auch mal reingehen“, sagte Kastner bei Telekomsport zu seinem Treffer, den DennisLobach vorbereitete – erster Scorerpunkt für ihn in der DEL.
Kurios das 2:0, das 17 Sekunden nach Beginn des zweiten Drittels fiel. Mark Voakes chippte den Puck von der Bande hoch vors Berliner Tor, Eisbären-Verteidiger Mark Cundari wollte sie mit dem Handschuh wegschnappen – und überwand seinen eigenen Torhüter. Mit dem Anschlusstreffer zum 2:1 (50.) betrieb Cundari aber Wiedergutmachung (womit eine 193-Minuten-Serie von Danny Aus den Birken endete). Eine halbe Minute später traf Dupont das Lattenkreuz des EHC-Gehäuses, der Meister wankte, aber hielt stand und schoss noch ein Empty-Net-Goal (Hager/60.). In einem Spiel, in dem es auch einige böse Momente gab, als sich im zweiten Drittel Keith Aulie und Brendan Ranford in die Wolle bekamen und die Linienrichter sich besser zurückhielten mit Dazwischengehen.