Dortmund – Am Ende der Zitterpartie verspürte Lucien Favre wenig Lust zu ausgelassenem Jubel. Den späten Elfmetertreffer von Marco Reus in der Nachspielzeit der Verlängerung zum 3:2 über den tapferen Zweitligisten Union Berlin feierte der Trainer von Borussia Dortmund eher verhalten. Zu seiner großen Erleichterung ersparte ihm das Happy End Diskussionen über seine Radikal-Rotation. Auf die dürftige Vorstellung der B-Elf ging der Schweizer nur kurz ein und bevorzugte stattdessen eine pragmatische Sicht der Dinge: „Wir sind durch. Nur das zählt.“
Der mutige Schachzug des Fußball-Lehrers, die Startelf gleich auf sieben Positionen zu verändern, wäre beinahe bestraft worden. Zweimal glichen die Berliner im Duell der bisher ungeschlagenen Teams aus und waren zu Beginn der Verlängerung der Führung nahe. „Es zeichnet uns im Moment aus, dass wir nicht die Nerven verlieren und wissen, dass wir vorne ein Tor machen können,“ kommentierte Julian Weigl.
Dennoch wurde deutlich, dass der Zauber des Dortmunder Spiels ohne erst später eingewechselte Leistungsträger wie Reus, Axel Witsel und Jadon Sancho schnell verloren geht. „Wir haben nicht gut verteidigt. Es waren Spieler dabei, die keinen Rhythmus haben“, sagte Sportdirektor Michael Zorc. Mit Verweis auf die anhaltende Terminhatz äußerte Kapitän Reus jedoch Verständnis für die Entscheidung des Trainers, Stars zu schonen: „Einige von uns waren am Limit. “
Der Coach wird auch in den kommenden Wochen zu Umstellungen gezwungen sein. Die Verletzung von Abdou Diallo (Zerrung im Adduktorenbereich, er wird in den kommenden Tagen im Training fehlen) vergrößert die Personalsorgen in der Abwehr. Schließlich musste Favre in den vergangenen Partien bereits auf Manuel Akanji und Marcel Schmelzer verzichten. dpa