Dem Autor dieser Zeilen war es vor eineinhalb Jahren mal vergönnt, nach einem Spiel der TSG Hoffenheim mit der S-Bahn von der Haltestelle Stadion Sinsheim in Richtung Mannheim zu fahren. Lauter Fußballfans im Abteil, die der Gästemannschaft (Augsburg) hüpften und skandierten „Hopp-Hopp-Hoppenheim“. Da erhob sich ein Anhänger der 1899er von seinem Sitz und sagte in ehrlicher Entrüstung, aber zugleich noch höflich: „Sie, das ist nicht korrekt, was Sie rufen. Herr Hopp hat sehr viel für die Region getan, das sollten Sie respektieren.“ Die normale Ansprache in diesem Rahmen wäre ja eher von der Art gewesen: „Hey, halt dein dummes Maul, sonst. . .“ Doch in der Metropol-Region Rhein-Neckar – hohe Bildungsdichte, Wohlstand – legt man Wert auf Manieren.
Vielleicht hat Dietmar Hopp sich deswegen noch schwerer getan mit den Schmähungen, die er regelmäßig durch Fans vor allem aus Dortmund erfährt. Dass man ein „Hurensohn“ sei, liest man halt nicht gerne über sich. Man kann es auch vollkommen zurecht als abstoßend empfinden, wenn man sein Antlitz in einem Fadenkreuz dargestellt sieht. Und nachzuvollziehen ist auch ein generelles Unverständnis, dass Dietmar Hopp mit der Bewertung seiner Person hat. Er ist ja klassischer Mäzen, nicht kalter Investor, er will nicht für ein Produkt werben und engagiert sich in seiner Heimat. Diese Modelle gibt es an zig anderen Orten, sie führen nur nicht bis hoch ins internationale Geschäft.
Mit der Klage vor dem Sportgericht gegen Dortmunder Fans macht Hopp die Sache allerdings größer, als sie ist. Und so haben es die Fußballrichter des DFB wohl auch empfunden. Sie haben am Freitag einen Ausschluss der BVB-Anhänger bei den nächsten drei Spielen in Hoffenheim verhängt – aber alles auf Bewährung. Eine Kollektivstrafe auch umzusetzen, davor scheut der Verband angesichts der allgemeinen Stimmungslage in Fanfragen zurück. Die nächste Eskalation wäre nicht abzuwenden.
Besser deeskalieren. Reden. Wie damals in der S-Bahn. Die ermahnten Augsburger Fans sagten: „Is ja scho gut.“
Guenter.Klein@ovb.net