Es fehlt nicht mehr viel

von Redaktion

BASKETBALL  Bayern tasten sich in der Euroleague an die Besten heran – Sonntag in Crailsheim

VON CHRISTOPHER MELTZER

München – Es gibt in der Euroleague eine einfache Formel: Wer die Playoffs anpeilt, muss seine Heimspiele gewinnen. Nun haben die Basketballer des FC Bayern nie aggressiv formuliert, dass sie im besten europäischen Wettbewerb einen der acht Playoffplätze anstreben, für ganz abwegig halten sie das aber gewiss nicht. Vor der Saison erinnerte Geschäftsführer Marko Pesic etwa daran, dass Bamberg in seinen Euroleague-Jahren in knappen Spielen oft Pech hatte. „Wenn du da ein paar gewinnst, bist du ganz schnell auf dem achten Platz“, sagte er. Und den Rivalen aus Bamberg wollen die Bayern doch übertreffen, oder?

Zurück zur Formel: In der eigenen Halle sind die Bayern noch fehlerfrei, sie besiegten Panathinaikos Athen (80:79) und Baskonia Vitoria-Gasteiz (77:71). Auf einem Playoffplatz stehen sie nach fünf Spieltagen trotzdem nicht, weil sie auswärts dreimal verloren haben. Am Donnerstagabend brachten sie Fenerbahce Istanbul ins Schwitzen, die Supermannschaft, die in den letzten drei Jahren immer im Euroleague-Finale spielte. Nur fünf Punkte fehlten zum Sieg. „Leider haben wir in den letzten Minuten im Angriff einige schlechte Entscheidungen getroffen“, sagte Bayerns Trainer Dejan Radonjic. Sein Kapitän, Danilo Barthel, fasste zusammen: „Wir haben ein gutes Spiel gemacht, aber so eine Niederlage tut jetzt fast mehr weh als eine mit 20 Punkten.“

Man kann die enttäuschten Stimmen aus Istanbul am Tag danach aber auch ein wenig umdeuten: Wenn die Bayern schon in der Halle des Serienfinalisten mithalten können, scheint ihnen nicht mehr viel zu fehlen, um auch mal auswärts die Punkte zu klauen. Die Bayern steigern sich, das spricht für sie. In Istanbul lenkte Stefan Jovic eine Offensive, die die Fenerbahce-Abwehr mit den Riesen Jan Vesely (2,13 Meter), Joffrey Lauvergne (2,11) und Nicolo Melli (2,05) immer wieder umspielte. Nemanja Dangubic deutete mit zwei Dreiern erstmals an, dass er als Schütze hilft. Und Derrick Williams passt sich ja noch immer an.

Natürlich finden sich auch Schwachstellen: Als Jovic sich auf der Bank erholte, tat sich Maodo Lo manchmal schwer, die Angriffe zu kontrollieren. Die Abwehr verbesserte sich in der zweiten Halbzeit, Fenerbahce nutzte aber aus, dass Jovic und Booker in der spielentscheidenden Szene unfreiwillig ihre Gegenspieler tauschten. Und es ist zumindest bemerkenswert, dass sich nur zwei Bayernspieler, Williams und Vladimir Lucic, Freiwürfe erarbeiteten.

Das sind wichtige Erkenntnisse, in der Bundesliga dürften die ungeschlagenen Bayern auf solche Probleme nicht stoßen. Am Sonntag (18 Uhr) spielen sie in Crailsheim – gegen den Tabellen-15. Man darf davon ausgehen, dass Radonjic die Minuten anders verteilen wird als in Istanbul, wo etwa Alex King und Braydon Hobbs gar nicht mitmachen durften. Denn schon am Donnerstag geht’s in der Euroleague weiter, gegen Darussafaka Istanbul – in der eigenen Halle.

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