München – Auch beim Auswärtsspiel in Münster können sich die Löwen auf ihren außergewöhnlich reiselustigen Anhang verlassen. 3264 Fans begleiten den Aufsteiger durchschnittlich quer durch Deutschland – kein Verein der 3. Liga kann da annähernd mithalten. Selbst die 670 Kilometer einfach ins Münsterland schrecken nicht ab, im Gegenteil. 2100 Unersättliche haben sich rechtzeitig um Plätze in Bussen und Sonderzügen bemüht – und um Tickets für das kleine Preußenstadion. „Unsere Fans sind immer toll“, sagt Trainer Daniel Bierofka: „Dieses Vertrauen müssen wir auf dem Platz zurückgeben.“
Auf dem Platz, und nicht auf der Tribüne, wird am Samstag auch Adriano Grimaldi mit von der Partie sein – was durchaus auch anders hätte laufen können. Dieser Tage hat der Ex-Münsteraner erzählt, wie das gelaufen ist mit seiner Gelbsperre, die ein bisschen wirkte wie bestellt. Nämlich: So, dass der Stürmer das vermeintlich leichte Heimspiel gegen Großaspach verpasst hat, nicht aber das spannende Duell in seiner alten Heimat. Aber: Von Vorsatz könne keine Rede gewesen sein, versicherte Grimaldi, als er schilderte, wie sie sozusagen über ihn gekommen ist, die fünfte Gelbe Karte gegen Braunschweig.
„Wenn es taktisch gewesen wäre, hätte ich sie mir schon in der ersten Halbzeit abgeholt“, berichtete Grimaldi, der im Braunschweig-Spiel früh über muskuläre Probleme geklagt hatte. Er sei mehr als überrascht gewesen, als ihm der Karton entgegengestreckt wurde, wo er ja nur noch wenige Meter von der Auswechselbank entfernt war: „Da war ich auch fassungslos.“ Dass die vier Karten davor verdient gewesen seien, gibt er aber zu: „Die meisten waren wegen Meckerns – da muss ich ein bisschen an mir arbeiten.“ Jetzt allerdings ist er froh, nicht nur seine Oberschenkelprobleme auskuriert zu haben – sondern auch unbelastet spielen zu dürfen.
Auch Daniel Bierofka ist froh, im schwierigen Auswärtsspiel beim Tabellenzweiten auf seinen effektivsten Offensivspieler zurückgreifen zu können. Allerdings: Der Rummel um Grimaldi ist ihm fast zu viel geworden, er schätzt es ja generell nicht, wenn Personenkult um einen Spieler ein Ungleichgewicht in der öffentlichen Wahrnehmung erzeugt. „Adi ist ein wichtiger Teil der Mannschaft“, sagt Bierofka: „Ein Spieler alleine wird das Spiel aber nicht gewinnen.“ Ein bisschen schwingt da auch die Sorge mit, der Topscorer könnte sich über die Maßen unter Druck setzen. „Adi muss das wie ein ganz normales Spiel annehmen“, empfiehlt der 1860-Coach: „Er darf nicht überdrehen und glauben, er alleine muss alle Bäume ausreißen.“
Dafür ist schon das Team als Ganzes zuständig. Bierofka wähnt es trotz des Absackens in der Tabelle auf einem guten Weg. Pädagogisch geschickt blickt er auch nicht auf den überschaubaren Ertrag der letzten sieben Spiele zurück (ein Sieg) – sondern nur auf die letzten beiden Spiele, „in denen wir vier Punkte geholt haben“.
Auch Grimaldi selbst denkt positiv, wie sich das gehört für einen Stürmer von Format. Weder rechnet er mit Pfiffen seitens der Münster-Fans („Denke nicht, dass sie einen Hass haben“), noch hätte er Hemmungen, einen etwaigen Torerfolg emotional auszuleben. „Natürlich werde ich jubeln“, sagt er und hat dabei auch den Löwen-Anhang im Blick: „Fast täglich bittet mich jemand um ein Trikot. Daran merkt man, was für ein großer Verein das hier ist.“ Einer, dem er gerne mal wieder einen Auswärtsdreier schenken würde.