Kovac’ Kimmich-Plan

von Redaktion

Der Außenverteidiger könnte demnächst auch beim FC Bayern im Mittelfeld spielen

VON ELISABETH SCHLAMMERL

München – Das verschmitzte Grinsen gehört zu Niko Kovac wie der um die Schultern geschwungene Pullover an Früh- oder Spätsommertagen, auch in schlechteren Zeiten, die der FC Bayern gerade hinter sich hat, trat der Trainer nie missmutig oder schmallippig auf.

Die Ergebniskrise ist beendet, mit nun drei Siegen in Serie hat der deutsche Rekordmeister die Wende geschafft, aber das genügt eben nicht bei den Bayern. Der Trainer muss sich auch vor der Bundesligapartie am Samstag gegen den SC Freiburg mit fehlendem Glanz im Spiel der Münchner beschäftigen. Wobei Kovac gar nicht findet, dass so viel im Argen liegt. „Geschmäcker sind verschieden. Jedem das seine. Ich habe meine Version, andere haben eine andere Version“, sagte er und wirkte dabei ausnahmsweise gar nicht so gut gelaunt.

Seine Version ist die, dass nur „die Realisierung der Torchancen“ fehlt. „Wir müssen nicht alles umwerfen. Wir brauchen zwei Tore mehr, dann wird aus dem schweren Spielstil ein leichterer.“ Klingt ganz einfach, aber die Umsetzung ist es nicht, zumal den Bayern jetzt auch noch in Thiago ein kreativer Kopf im Mittelfeld fehlt. Mehrere Wochen muss der Spanier wegen seiner unter der Woche im Pokalspiel gegen Rödinghausen erlittenen Fußverletzung pausieren. „Aber wir wollen nicht negativ sein“, sagte Kovac.

Die Münchner sind auch nicht schlecht bestückt im zentralen Mittelfeld – im Gegensatz zur Abwehr. „Jeder kann jetzt zeigen“, so der Bayern-Trainer, „was er kann.“ Vielleicht nicht jeder, aber ein paar Kandidaten gibt es schon für den vakanten Job. James wäre wohl aufgrund seiner technischen Fähigkeiten der logische Thiago- Vertreter, aber auch Renato Sanches hat sich beim Pokalauftritt empfohlen, zumindest eine Halbzeit lang. Und Kovac hat noch eine Idee, zwar erst auf Nachfrage rückte er damit heraus, doch auch sie ist naheliegend, wenngleich nicht unbedingt für den Bayern-Trainer. Joshua Kimmich, sagte Kovac am Freitag, „wird eine Alternative für das Mittelfeld werden.“ Wohl nicht schon gegen Freiburg aber für die Zukunft, vielleicht schon für die nähere. Diese Aussage von Kovac ist deshalb überraschend, weil er bisher ausgeschlossen hatte, Kimmich auf einer anderen Position als der des Rechtsverteidigers einzusetzen.

Als Bundestrainer Joachim Löw beim Neuanfang nach dem WM-Debakel Kimmich ins defensive Mittelfeld befördert hatte, war zunächst spekuliert worden, ob Kovac nachziehen würde, zumal der Spieler die neue Rolle in der Nationalmannschaft bisher glänzend ausfüllt. Außerdem hat Kimmich oft betont, dass seine Lieblingsposition das defensive Mittelfeld sei.

Weil aber bei den Bayern Anfang September gerade nur zwei einsatzbereite Außenverteidiger zur Verfügung standen, verstummten die Diskussionen um eine Versetzung Kimmichs schnell. Der 23-Jährige wurde rechts hinten dringend gebraucht, deshalb bestritt er bis zum Pokalspiel gegen Rödinghausen auch jede Partie in dieser Saison von Anfang an und über die kompletten 90 Minuten.

Nun ist Backup Rafinha wieder fit und kann wie im Pokal auf der rechten Seite aushelfen – falls Kimmich jetzt auch mal beim FC Bayern in der Zentrale gebraucht wird.

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