Fuchs, Mühl und der Fuchsmühler

von Redaktion

Der 1. FC Nürnberg steckt nicht auf und belohnt sich mit einem unerwarteten Auswärtspunkt

VON GÜNTER KLEIN

Augsburg – Michael Köllner ist als Trainer spät in den Profibetrieb gekommen. Das merkt man: Der Coach des 1. FC Nürnberg hat noch nichts von seiner Authentizität und Nahbarkeit verloren. Redet, wie ihm der Mund gewachsen ist (gibt sich seinem Oberpfälzer Dialekt widerstandslos hin), läuft nicht vor Journalisten davon.

Mit denen, die nach dem 2:2 des Club in Augsburg das Gespräch suchten, stand er in trauter Runde. Und als einer der fränkischen Nürnberg-Berichterstatter meinte, er und seine Kollegen hätten den in der ersten Halbzeit indisponierten Angreifer Alexander Fuchs nach der Pause ausgewechselt, sagte Köllner: „Und darum hält der Club an mir als Trainer fest.“

Denn Fuchs, gebürtiger Münchner, 21 Jahre alt, schoss sein erstes Bundesligator – zum 1:1 in Augsburg. Lukas Mühl, Verteidiger, traf nachher noch zum 2:2, was dem auswärts zuletzt an der Grenze zur Zweistelligkeit hergespielten 1. FC Nürnberg unendlich gut tat und sich anfühlte, als wäre es ein mit drei Punkten dekorierter Sieg. Und Michael Köllner hatte noch was parat: Fuchs plus Mühl als Torschützen, das ergibt das Wort Fuchsmühl und ist der Name „meiner kleinen Heimatgemeinde in der Oberpfalz. Die wird mächtig stolz sein.“ Zusatzinformation: „An Allerheiligen war ich daheim auf dem Friedhof.“

Nun zeigte der Bundesliga-Rückkehrer auch auswärts die Comeback-Qualitäten, mit denen er bisher in Heimspielen aufgewartet hatte. Die zweite Halbzeit in Augsburg stellte eine gewaltige Steigerung dar zur ersten. Nicht nur bei Alexander Fuchs, der einräumte, „da vorne isoliert rumgelaufen zu sein“, sondern bei allen. Fuchs, sagte Köllner, habe er sich „in der Pause zur Brust genommen“. Wie er der Mannschaft in dieser Viertelstunde gegenüber trat, „das wollt ihr nicht erleben“, spaßte er mit den Journalisten.

Es wirkte jedenfalls: Sein Team entzog sich „der Augsburger Umklammerung“, häufte gegen Ende die Standardsituationen vor dem Augsburger Tor an, „und da musste dann mal ein Ball reingehen“, so FCA-Torsteher Andreas Luthe.

Augsburgs Trainer Manuel Baum räumte ein, in seiner Planung drei Punkte gehabt zu haben. Es ließ sich auch gut an mit dem über Jonathan Schmid herauskombinierten 1:0 durch Alfred Finnbogason, und kurz nach dem Ausgleich gelang Schmid mit dem perfekten Freistoß die 2:1-Führung. Weil Baum „eine bessere erste Halbzeit von uns und eine ausgeglichene zweite“ gesehen hatte, meinte er: „Wir ärgern uns.“ Andererseits war es eine gute englische Woche: im Pokal weiter (3:2 n.V. gegen Mainz), in der Liga in Hannover gewonnen und gegen Nürnberg Unentschieden gespielt. Es war kein leichter Tag für die Augsburger: Sie trauerten um Peter Bircks, den am Tag zuvor an den Folgen eines Verkehrsunfalls verstorbenen langjährigen Präsidenten und Geschäftsführer. Er war schon vor 30 Jahren da gewesen, als der FCA im Amateurfußball feststeckte. Seine zweite Fußball-Liebe war der 1. FC Nürnberg.

Im Stadion wurde seiner gedacht, auch die Club-Fans beklatschten Bircks’ Lebenswerk, und Michael Köllner befand: „Die Todesnachricht hat auch uns getroffen.“

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