Ilshofen/München – Nihad Djedovic hüpfte durch die Arena in Ilshofen. Er grinste, ballte die Faust. Irgendwann scharten sich seine Mitspieler um ihn, klopften ihm auf Kopf, Schulter und Rücken. So sehr haben sich die Basketballer des FC Bayern in dieser Arena, im Landkreis Schwäbisch Hall in Baden-Württemberg, nur selten gefreut.
Eine Reise ins kleine Ilshofen, wo die Crailsheim Merlins ihre Heimspiele in der Bundesliga austragen, gehört für die Münchner eben zur Pflicht, als besonders aufregend erweisen sich diese Ausflüge aber eigentlich nicht. Den Merlins fehlen die Mittel, um es mit dem Meister aufzunehmen. Auch an diesem Sonntag fiel Crailsheim im Duell mit den Bayern zurück, plötzlich aber, im dritten Viertel, holten sie auf, verkürzten sogar auf 62:63. Doch dann traf Nihad Djedovic, der Shooting Guard der Bayern, einen Dreier, die Münchner jubelten. Crailsheims Trainer nahm sofort eine Auszeit, doch er konnte den Lauf nicht mehr aufhalten. Die Bayern zogen davon, siegten 96:71 (67:46) – und sind ungeschlagen Tabellenerster.
Der deutsche Meister setzt seinen Schwerpunkt in diesen Herbstwochen auf die Euroleague, wo er sich jede Woche mit den besten Mannschaften Europas messen kann. Am Donnerstag noch spielten die Bayern vor fast 9000 Zuschauern in Istanbul, am Sonntag dann – ohne den geschonten Vladimir Lucic – in der Stadt Ilshofen, in der nur etwas mehr als 6000 Menschen leben. Die Idylle darf aber nicht täuschen, die Merlins können, obwohl sie in dieser Saison erst ein Bundesligaspiel gewonnen haben, ein unangenehmer Gegner sein. Sie werfen sehr viele Dreier, und ab und zu gibt es eben Tage, an denen sie sehr viele dieser Dreier treffen, was auch eine teure Mannschaft wie den FC Bayern in Bedrängnis bringen kann. Wie etwa im dritten Viertel. „Sie haben ein paar schwierige Würfe getroffen“, sagte Bayern-Spielmacher Braydon Hobbs hinterher zu „Telekomsport“. Das habe dann die Fans angestachelt – was wiederum die Crailsheimer Profis motivierte. So spielten sie sich zwischenzeitlich in einen kleinen Rausch. Die Bayern unterstützen das mit noch mit einer nachlässigen Verteidigung, die Hobbs, ein US-Amerikaner, mit dem schönen Wort „sluggish“ beschrieb: träge also. Ein Nickerchen ohne Folgen
Hobbs, 29, gehört zu jenen Bayern-Spielern, die in der Bundesliga mehr spielen dürfen als in der Euroleague. Er ist ein begnadeter Offensivkünstler, der sehr schnelle und präzise Pässe wirft, oft sogar ohne hinzusehen. Doch Dejan Radonjic, sein Trainer, kritisierte bereits im vergangenen Jahr Hobbs’ Defensivverhalten, weshalb er in vielen wichtigen Spielen, wie jenem in Istanbul, nur auf der Bank sitzt. In Ilshofen dirigierte er den Münchner Angriff, der am Ende 96 Punkte verbuchte. Kapitän Danilo Barthel sammelte 20 Punkte ein, Djedovic 16, Hobbs immerhin zwölf. Doch als der Amerikaner vor der TV-Kamera den Grund für den deutlichen Sieg erklärte, sagte er: „Wir haben uns in der Defensive gesteigert.“