Mailand und Madrid statt Hoffenheim und Gelsenkirchen – klingt auf den ersten Blick nicht schlecht. Aber wenn Wochenenden in den immer gleichen attraktiven europäischen Metropolen zum Alltag werden, verlieren die Trips irgendwann auch ihren Reiz. Doch so weit wird es ja erst einmal nicht kommen, denn der FC Bayern ist angeblich total glücklich in der Bundesliga. Wobei: Im Moment sind sie das sicher nicht. Aber das liegt weniger an der Liga als vielmehr am eigenen dürftigen Spiel und der Tatsache, dass sie zum ersten Mal seit 2011 Anfang November nicht die Tabelle anführen.
Die Konkurrenz ist vermutlich ganz froh, dass die Bayern „total“ zur nationalen Meisterschaft stehen, wie Vereinschef Karl-Heinz Rummenigge beteuerte, füllen sie doch regelmäßig die Stadien und sind damit gut fürs Bankkonto. Und eben ums Geld geht es auch bei den Superliga-Plänen. Die Bayern rühmen sich oftmals, dass sie das Sozialprinzip bei der Verteilung der Fernsehgelder in der Bundesliga tragen. Abgesehen von ein paar mehr oder weniger ernsthaften Versuchen auszuscheren, stehen sie tatsächlich dazu und lassen die Kleinen leben. Dass die Verantwortlichen des deutschen Rekordmeisters außerhalb der Bundesliga versuchen, mehr Geld zu generieren, ist ihnen nicht vorzuwerfen, wollen sie doch konkurrenzfähig bleiben im Vergleich mit den finanzkräftigen Vereinen aus Spanien oder gar England. Ebenso ist es nachvollziehbar, dass sie die Pläne einer Eliteliga geprüft haben. Das wäre es aber nicht, wenn sie ihre Zukunft allein in einer finanzstarken europäischen Spielklasse sehen würden.
Aber diese scheint im Moment doch nicht so aktuell zu sein, wie es in den Football-Leaks-Dokumenten steht. Die Superliga diente und dient den großen Vereinen Europas vor allem dazu, die UEFA zu Reformen zu bewegen. Zuletzt hat dies geklappt. Seit dieser Saison gibt es für die vier wichtigsten Ligen vier feste Champions League-Plätze, neue Anstoßzeiten und vor allem einen neuen Verteilungsschlüssel für die Einnahmen – selbstverständlich zugunsten der Topclubs. Und wenn die UEFA auch weiter die Wünsche der Branchenführer erfüllt, gibt es keinen Grund auszuscheren.
Elisabeth.Schlammerl@ovb.net