Ingolstadt/München – Die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) macht jetzt eine kurze Pause und übergibt an die Nationalmannschaft, die am Donnerstag und am kommenden Samstag/Sonntag in Krefeld den Deutschland Cup bestreitet. 17 Spieltage hat die DEL hinter sich gebracht, ein knappes Drittel der Hauptrunde. Der EHC München hat Platz zwei der Tabelle erklommen; oben thronen mit sechs Punkten Vorsprung souverän die Adler Mannheim (gestern 4:0-Sieger über Augsburg, ihr achter Drei-Punkte-Erfolg in Serie), doch die Münchner haben den ERC Ingolstadt als ersten Verfolger abgelöst. Dabei half ihnen ein 4:0 (1:0, 1:0, 2:0)-Erfolg an der Donau.
Ingolstadt gegen München ist ein Derby, es geht um die Hoheit in Oberbayern, entsprechend hitzig kann solch einen Begegnung fanseitig werden. Der Ingolstädter Anhang erlebte seine große Gefühlsaufwallung in der 34. Minute. Da stand es 1:0 für den EHC München, resultierend aus dem trockenen Schuss von Yannic Seidenberg nach Bullygewinn von Matt Stajan (16. Minute), und es wurde ein weiteres Tor für den Meister angezeigt, obwohl das Ingolstädter Gehäuse verschoben war und Keeper Timo Pielmeier ohne Helm und angeknockt auf dem Eis saß. Große Aufregung und Empörung. Was war geschehen?
Der EHC München war einen Konter gefahren. John Mitchell schickte Patrick Hager, der strebte dem ERCI-Tor zu. Von der Seite kam Ingolstadts Verteidiger Ville Koistinen, versuchte, Hager zu stören. Hager verlor den Halt und rutschte in vollem Lauf in Pielmeier hinein, räumte ihn ab und das Tor dazu. Jedoch: Der Puck war über die Linie gegangen.
Davon war auch Hager überrascht: „Ich bekomme die Scheibe und versuche, meinen Körper zwischen sie und den Gegner zu stellen.“ Dann verspürt er „einen Push“ und wird ausgehebelt. Die Schiedsrichter unterzogen die Szene einer langen Videosichtung, in der das komplette Easy-Listening-Programm der Musikregie durch die Halle perlte, und entschieden: Tor, denn die Scheibe war über der Linie – und der Torschütze zuvor gestoßen worden. „Ich habe das erst gar nicht bemerkt, dass der Puck reingegangen ist“, sagte Hager. „Das war natürlich glücklich.“
Beim EHC München hatte sich die personelle Lage etwas entspannt, John Mitchell war von der Beerdigung seiner Großmutter aus Nordamerika zurück, Justin Shugg nach einer Ausfallzeit von sieben Partien nicht mehr verletzt. Zentraler Spieler war aber einmal mehr der Mann im Tor, Danny Aus den Birken, den sein Teamkollege Frank Mauer als „nahezu unüberwindbar“ bezeichnet hatte. Aus den Birken stand sicher und hielt in der 37. Minute einen Penalty von Mike Collins. Anlass für den Strafschuss gegen München war gewesen, dass EHC-Verteidiger Kony Abeltshauser die Scheibe im Torraum mit der Hand fixiert hatte (wofür ihm der Ingolstädter Fabio Wagner auch gleich den Kopf an den Torpfosten donnerte – was wiederum den sanften Abeltshauser erzürnte).
München legte noch nach. Maxi Kastner vollendete in der 51. Minute einen Blitzkonter über Mauer und Button mit dem 3:0. Sein siebtes Saisontor. Trainer Don Jackson hatte Kastner neulich schon hervorgehoben: „Er ist dabei, zu einem Führungsspieler zu werden.“ Das 4:0 schoss Mitchell (57.).