Werners Show im stillen Stadion

von Redaktion

Leipzig brilliert in Berlin – Stimmungsboykott der Hertha-Fans

Berlin – Mit letzter Kraft schleppte sich Leipzigs Tor-Held Timo Werner auf einem Bein hüpfend zu den jubelnden RB-Fans, da war auf der anderen Seite des Berliner Olympiastadions schon lange der Ofen aus. Aus der berühmten Ostkurve kam kaum eine aufmunternde Geste, nachdem der Gast aus Sachsen den Rivalen Hertha BSC mit 3:0 aus deren Arena gejagt hatte.

Während RB weiter von der Königsklasse träumen kann, ist die Stimmung zwischen Mannschaft und Fans in der Hauptstadt nach starkem Saisonstart wieder abgekühlt. Der Stimmungsboykott der Berliner Ostkurve als Reaktion auf das vom Verein im Zuge der Krawalle von Dortmund erlassene Fahnen-Verbot hatte seine Spuren hinterlassen.

„Die Mannschaft war mental vorbereitet, dass es ein stilles Stadion wird. Trotzdem ist das kein Alibi. Die Zweikampfführung bei uns ist in einem Freundschaftsspiel oder Training besser“, sagte Hertha-Trainer Pal Dardai nach der enttäuschenden Vorstellung seines Teams.

Dort, wo Berlin gerne stünde, nämlich in direktem Kontakt zur Spitze, da macht es sich Leipzig nun gemütlich. Seit neun Liga-Spielen ungeschlagen, seit 450 Minuten ohne Gegentor. Werner meinte: „Wenn wir so spielen, können wir in die Champions League kommen.“

Trotz einer Zeh-Verletzung, die er sich beim Führungstreffer (7.) zuzog, legte Werner (53.) im zweiten Durchgang sein sechstes Saisontor nach. Spätestens als Matheus Cunha (75.) das dritte Tor schoss, gab auch der letzte Enthusiast in der Ostkurve auf. Dardais Kritik bezog sich trotz der Stimmungsblockade dennoch allein auf die eigenen Spieler: „Wir wollten das Tempo erhöhen, aber die Tagesform war nicht genug dafür.“

Laut Werner hätte es für die Hertha noch schlimmer kommen können: „Ich hätte heute auch einen Dreierpack oder Viererpack machen können“, sagte er. Selbst der lädierte Zeh scheint den 22-Jährigen derzeit nicht aufzuhalten. Trainer Ralf Rangnick geht davon aus, „dass es bis nächste Woche wieder geht“.

Bei der Hertha wird in der kommenden Woche vor allem die Clubführung Arbeit bekommen. Der Verein sieht das Fahnen-Verbot nach den Ausschreitungen beim 2:2 bei Borussia Dortmund nicht als Dauermaßnahme. Manager Michael Preetz will den Dialog mit den Fans. Alles wolle man sich nicht gefallen lassen, aber grundsätzlich „müssen wir an einen Tisch“, sagte Preetz. sid

Artikel 1 von 11