Die schönsten Geschichten im Leben schreibt halt doch der Fußball, die von Juan Bernat gehört unbedingt dazu. Und das, obwohl das entscheidende Kapitel vor drei Wochen unrühmlich begann. Wenn man Uli Hoeneß auf der Jahrhundert-Pressekonferenz des FC Bayern richtig verstanden hat, dann hätte der kleine Spanier den großen Rekordmeister um ein Haar ganz allein aus der Champions League befördert. Einem Messi ist das schon gelungen, klar, einem Ramos auch. Aber die trugen dabei das Trikot des Gegners, nicht das rote.
In seinem heiligen Zorn hat Hoeneß Bernat mit einer Vokabel belegt, die kein gut erzogener Zeitungsredakteur schreiben würde, ohne dass seine Ohren so rot anliefen wie ein Bayern-Trikot. Und was macht der Spanier am Dienstag? Erzielt das einzige Tor seines neuen Clubs Paris Saint Germain in Neapel, und das in einer Manier, wie sie Messi kaum besser hingekriegt hätte. Ramos schon gar nicht.
Allein dem Mann, den man in München zum Schleuderpreis wegschickte und dem man dann noch eine satte Beleidigung hinterherbrüllte, verdanken es die neureichen Pariser, dass sie noch im lukrativen Rennen sind. Keine Gruppe ist dichter und ausgeglichener besetzt als die von PSG, selbst Tabellenführer Liverpool hat schon zwei Niederlagen auf dem Buckel. Gewöhnlich ist die Gruppenphase der Champions League eine ziemlich dröge und vorhersehbare Angelegenheit. In diesem Fall endlich mal nicht.
Wie in einem besonders ausgefeilten Drehbuch verbinden sich in der Gruppe C etliche Erzählstränge. Da wäre Jürgen Klopp, dem nach der Blamage in Belgrad (mit Ex-Löwe Degenek) die Pointen im Hals stecken bleiben, der Matchwinner Marko Marin, der seine besten Zeiten hinter sich zu haben schien, oder auch Thomas Tuchel. Der PSG-Trainer ist als Großmeister der Taktik bekannt, auch die Bayern hätten ihm im Sommer nach langem Zaudern gerne ihre Mannschaft anvertraut. Wenige Monate später ist ein frühes Aus nicht mehr auszuschließen, weil ihm in Neapel ein alter Bekannter seine Grenzen aufzeigte. Carlo Ancelotti, von dem man in München keine sehr hohe Meinung mehr hat. Seit Dienstag ist er der Juan Bernat unter den Taktikfüchsen.
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