München – Irgendwann zu Beginn der zweiten Halbzeit begannen die Fans des FC Bayern zu singen und hörten einfach nicht mehr auf. Sie bearbeiteten ihre Trommeln und untermalten den Auftritt ihrer Mannschaft mit derart fröhlichen Melodien, dass man hätte meinen können, sie erfreuten sich an erstklassiger Unterhaltung. Doch weit gefehlt, in Wahrheit leistete der Anhang einfach bloß seinen Beitrag zur Unterstützung eines Teams, das momentan jede Hilfe nötig hat. Auch beim 2:0-Sieg in der Champions League über AEK Athen litt das Spiel der Bayern lange unter Verunsicherung und Ideenarmut.
Am Ende konnten sie sich beim Schiedsrichter bedanken, der einen Allerweltszupfer der Griechen mit einem Elfmeter ahndete, den Robert Lewandowski dankbar nutzte (31.). Sein zweiter Treffer beseitigte (71.) alle Zweifel – an diesem Sieg, nicht aber am generellen Zustand der Bayern, die erneut wenig Glanz versprühten. Die Fans kümmerte das nicht. Sie sind Heimsiege nicht mehr gewöhnt. Der bis gestern letzte gelang am 15. September beim 3:1 gegen Leverkusen.
Ein Gegner in Schwarz und Gelb, das wird man als Bayern-Spieler in dieser Woche noch einmal zu sehen bekommen. Der Gipfel in Dortmund warf auch auf die gestrige Partie bereits seinen Schatten, und so war es ein halbwegs beruhigendes Signal, dass James Rodriguez aufgrund von Wadenproblemen zwar nicht in der Startelf, aber wenigstens als Reservist zur Verfügung stand. Für den Fall der Fälle halt, dass auch an diesem Abend in der Offensive wieder kreativer Notstand ausbrechen würde.
Die Erwartungshaltung war anspruchsvoll, allen Turbulenzen zum Trotz. Nicht nur ein Sieg sollte her, sondern bitteschön gleich ein hoher und dazu auf Wunsch von Joshua Kimmich auch noch eine defensiv blütenweiße Weste. Man wolle „keinen Schuss aufs Tor zulassen“, weil zuletzt fast jeder Versuch ein Treffer gewesen war. Das Ziel war aber schon nach fünf Minuten verfehlt, als AEK-Abwehrspieler Lampropoulos knapp am Bayern-Tor vorbeiköpfte.
Es ist gerade nicht die Zeit für unbescheidene Vorgaben. Auch gestern mühten sich die Bayern eine halbe Stunde lang redlich, aber wenig phantasievoll, um die flinken, ballsicheren Griechen unter Druck zu setzen. Mehr als ein früher Goretzka-Kopfball (7.), den AEK-Keeper Barkas parierte, gelang ihnen nicht. Der Rest waren Halbheiten: ein hübscher Haken von Kimmich, ein steiles Zuspiel von Goretzka, die Andeutung eines Slaloms durch Gnabry. So richtig konkret wurde das Offensivspiel in dieser Phase nicht.
Es musste schon der Torlinienrichter eingreifen, um dem Spiel eine Wendung zu verleihen. Der slowenische Referee wollte nach einer Bayern-Ecke schon weiterspielen lassen, doch der Mann am Kreidestrich signalisierte aufgeregt einen Regelverstoß. Tatsächlich hatte Cosic Lewandowski leicht am Trikot gezupft, doch mit einem Elfmeter war dieses Vergehen sehr streng geahndet. Lewandowski war es egal, er verwandelte sicher zum erlösenden 1:0 (31.).
In den folgenden Minuten schienen die Bayern tatsächlich etwas befreiter aufzuspielen, im Mittelfeld gelangen ihn nun auch Ansätze von Kombinationen. Allein, die Zuspitzung fehlte weiterhin. Und wieder ebbte der Spielfluss ab, für fast eine halbe Stunde. Dann war es erneut Goretzka, der mit einer Direktabnahme einem Treffer sehr nahe kam, jedoch abermals an Barkas scheiterte (55.)
Lewandowski sorgte mit seinem zweiten Treffer (71.) für Entspannung, und prompt fiel das Kombinieren etwas leichter. Gnabry hätte noch erhöhen können (74.), fand aber in Barkas seinen Meister, der bei einer verunglückten Rettungsaktion von Bakakis an die Latte gleichwohl machtlos gewesen wäre (78.). Es war nicht Europas Elite, die den Bayern gestern gegenüber stand, es war auch nicht ein Kaliber wie der BVB. Aber das zählt am Ende nicht mehr. Letztlich war dieses Spiel ein kleiner Schritt, dem am Samstag ein deutlich größerer folgen soll. Die Fans sind guter Dinge. Sie besangen fröhlich die nächste deutsche Meisterschaft.