Mama Ehliz und der EHC sind erfreut

von Redaktion

Transfercoup: München holt den Nationalspieler, der sein Kanada-Abenteuer beendet hat

VON GÜNTER KLEIN

München – Am Dienstagabend, nach der 2:3-Niederlage gegen den EV Zug im Achtelfinal-Hinspiel der Champions Hockey League, wurde Münchens Trainer Don Jackson gefragt, was denn dran sei an den Gerüchten, dass der EHC sein Starensemble um Yasin Ehliz erweitern würde. „Er ist auf dem Markt, das ist sicher“, sagte er, Personalien seien aber eine Sache von Manager Christian Winkler. Der antwortete auf Nachfrage am Mittwochmorgen mit der Meldung „Es sieht gut aus“ und Zwinker-Smiley. Der Code für: Wir haben ihn. Ein paar Minuten später warf der EHC München dann schon die Vollzugsbestätigung auf den Markt: Ehliz, 25, kommt.

Und es gibt auch eine umfassende Einschätzung des nun redseligeren Trainers dazu. Jackson: „Yasin passt perfekt in unser Team, jetzt und in Zukunft. Er ist ein exzellenter Spieler, hat mit seinen 25 Jahren schon viel erreicht und war in Nürnberg in den vergangenen Jahren Führungsspieler. Wir wissen auch, dass er charakterlich sehr gut in unser Team passt.“

Yasin Ehliz ist ein Transfer, der für den EHC München zu Saisonbeginn noch nicht möglich gewesen wäre. Da stand der Außenstürmer, der in Nürnberg mit Steve Rein-precht und Patrick Reimer jahrelang die Topreihe gebildet hatte, bei den Ice Tigers unter Vertrag. Wegen eines Angebots aus der NHL konnte er ihn auflösen. Ehliz wechselte in die Organisation der Calgary Flames – allerdings mit einem Zwei-Wege-Vertrag. Was bedeutete: Schafft er es nur ins Farmteam der Stockton Heat (American Hockey League), fällt das Salär überschaubar aus (deutlich unter 100 000 Dollar).

Die Prognosen für Ehliz waren nicht schlecht. Er ist körperlich robust, leistet wertvolle Arbeit in den Ecken und an der Bande, ist einer der Schnellsten und produziert auch Tore. Umso überraschender, dass er das drüben nicht zeigen konnte. Es reichte zu lediglich vier Einsätzen in Stockton. Calgary drängte auf Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Und weil Nürnberg keine Vorsorge getroffen hatte, um für diesen Fall wieder Zugriff auf Ehliz zu haben, war der frei. Für ihn eine Glücksfall-Situation: Nürnberg bot zwar mit, ebenso, wie zu hören war, Berlin und Köln – doch München ist der finanzstärkste Standort der DEL. Der auch einen weichen Faktor zu bieten hat: die Nähe zum Familienstammsitz Bad Tölz. „Das wird die Mama freuen“, sagt Yasin.

Viele seiner künftigen Mitspieler kennt er aus der Nationalmannschaft, für die gleich den Deutschland Cup spielen sollte, wegen eines grippalen Infekts aber absagte. Ehliz hatte zum Silber-Team gehört. Mit dem EHC rechnet er sich auch Chancen auf die Meisterschaft aus. „Das ist mein Ziel. Nach Gesprächen mit Don Jackson und Christian Winkler hatte ich das Gefühl, dass München für mich der perfekte Ort ist.“

Ehliz ist der 30. Spieler, den der EHC lizenziert. Aktuell wird er der Mannschaft gut tun, die am Dienstag gegen Zug mit einem Grundgerüst von sieben Verteidigern und neun Stürmern auskommen musste. Bis in den Januar hinein fallen vor allem Stürmer aus.

Bei irgendwann voller Besetzung jedoch wird es für die zuletzt von Don Jackson gelobten jungen Einspringer („Sie sind defensiv stark, laufen viel“) Mayenschein, Daubner, Tobi Eder, Lobach und Schütz heißen: Schuldigkeit getan, zurück in die Oberliga, zum SC Riessersee. Härtefälle.

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