München – Dogus Ozdemiroglu starrte auf den Ball, als er die Kontrolle über seinen Körper verlor. Er taumelte rückwärts, ruderte mit den Armen. Wäre er kein Profibasketballer, wäre er ziemlich sicher auf den Hallenboden geplumpst. Maodo Lo nutzte das sofort. Der Dribbelspezialist des FC Bayern flitzte an Ozdemiroglu vorbei, welcher ja überhaupt erst aus dem Gleichgewicht geraten war, weil Lo direkt vor ihm mit einer schellen Bewegung die Richtung gewechselt hatte. Die Fans im Audi Dome johlten. Und obwohl das Dribbling nicht mit einem Korb endete, zeigte diese kurze Szene im ersten Viertel doch deutlich, wie überlegen die Bayern an diesem Abend waren.
Das drückte sich dann auch im Ergebnis aus. Die Bayern besiegten Darussafaka Istanbul gestern 116:70 (54:35) – und haben ihre Bilanz in der Euroleague wieder ausgeglichen (drei Siege, drei Niederlagen). Es fällt in dieser Eliteliga schwer, von Pflichtsiegen zu sprechen. Wenn die Bayern aber um die Playoffs mitmischen wollen, dann war das Heimspiel gegen Darussafaka (5087 Zuschauer) ein solcher.
Es ist noch gar nicht so lange her, da spielte Darussafaka schon einmal in München vor. Im März besiegten sie die Bayern im Halbfinale des Eurocup. Ein Spiel, das sich ins fcbayerische Gedächtnis gebrannt hat, weil der Amerikaner Scottie Wilbekin spektakuläre 41 Punkte vorzauberte. „Er hat uns zerstört“, sagte Bayern-Spielmacher Stefan Jovic unter der Woche. „Das war eine harte Erfahrung für uns.“ Darussafaka holte sich damals übrigens den Europcup, doch vergleichen kann man das nun nicht mehr. Ihr Trainer, David Blatt, arbeitet jetzt für Olympiakos Piräus – und der 41-Punkte-Wilbekin wechselte nach Tel Aviv.
Darussafaka und der FC Bayern sind zusammen in die Euroleague aufgestiegen – doch der deutsche Meister hat den Rivalen überholt. Die Bayern verstärkten ihren Kader, für Istanbul coacht jetzt Ahmet Caki, den Alba Berlin in der vergangenen Saison nach nur wenigen Monaten entlassen hatte. Darussafaka machte in München Fehler, die man in der Euroleague selten sieht. Im ersten Viertel passte Markel Brown in die Ecke, obwohl sein Mitspieler längst weitergelaufen war. Immer wieder ließen sich die Istanbuler den Ball klauen.
Sie konnten sich dann immerhin aus der ersten Reihe ansehen, wie das mit dem Angreifen geht. Sie waren immer flinker. Fast jeder Spielzug der Bayern endete daher mit einem freien Wurf. Das erklärte, warum sie 18 von 26 Dreiern versenkten. Fünf Spieler lieferten mehr als zehn Punkte ab, Devin Booker mit 18 die meisten. Schon nach drei Vierteln hatten die Bayern 87 Punkte angesammelt.
Im dritten Viertel traf Maodo Lo dann übrigens nochmal auf Dogus Ozdemiroglu. Er dribbelte den Ball hin und her, bis Ozdemiroglu überfordert stehen blieb. Lo rannte vorbei – und legte den Ball in den Korb.