Jean-Marcel Nartz, einer der Strippenzieher im Profiboxen, hat in einer vertrauensvollen Minute mal erzählt, wie es wirklich dazu kam, dass 1995 der Schwergewichts-Weltmeister George Foreman, ein Relikt aus der großen Muhammad-Ali-Zeit, sich auf einen WM-Verteidigungskampf gegen den unbekannten Deutschen Axel Schulz einließ. Der eine Grund: In den USA gab es damals eine sehr populäre TV-Serie, in der ein trotteliger General Schulz eine der Hauptfiguren war – mit dem Namen verband das Publikum also etwas. Der andere: Eine Zahlung von 100 000 Dollar, um Foremans Leute gewogen zu stimmen. Vor 23 Jahren kam es tatsächlich zum Fight Foreman – Schulz, den kaum jemand in Deutschland live sah, weil er im Pay-TV und nachts lief. Dennoch und obwohl er wie erwartet verlor, wurde Schulz zu einem deutschen Star. Bei seinen späteren Versuchen, Champion zu werden, schauten bis zu 20 Millionen zu.
Heute wird Axel Schulz 50. Glückwunsch dem Glückskind! Glücklich, dass er gesundheitlich heil aus einer Karriere kam, in der ihn Wladimir Klitschko einmal legendär demolierte (1999). Wir erinnern uns an das Runden-Protokoll des (leider schon verstorbenen) Boulevard-Poeten Georg von Bentheim (tz): „Der Cocktail harter Links-Rechts-Tornados von Klitschko schmeckt wie Giftmüll.“ Glück hatte er auch, weil er in eine Zeit kam, in der Ost und West zusammenfanden und das vereinte Deutschland Bedarf an gemeinsamen Heldenfiguren hatte. Ein Glück war es auch, dass Boxen im (Privat)fernsehen so groß wurde, dass bis heute, wo es wieder geschrumpft ist, Bedarf an Leuten herrscht, die es nett erklären. So blieb Schulz als Experte mit dabei und in Lohn und Brot.
Manche finden, Schulzens gesellschaftliche Präsenz stünde in keinem Verhältnis zur gezeigten Leistung. Das stimmt. Manchmal ist man versucht, sich wegzudrehen, wenn er mit Werbekappe wieder in einer Talkshow sitzt. Andererseits: Er hat eine ironische Distanz zu seinem Treiben gefunden und dazu, von Beruf Axel Schulz geworden zu sein. Irgendwie muss man ihn mögen.
Auch seine Gegner haben ihn gemocht. Deswegen war es für Wladimir Klitschko trotz seiner Überlegenheit in allen Belangen ein schwerer Kampf. Weil er sich überwinden musste: „Axel war so nett – ich fragte mich, wie ich ihn schlagen soll.“
Guenter.Klein@ovb.net