Man muss nicht immer alles glauben, was gesagt wird, auch wenn es vom FC Bayern gesagt wird. Manche Dinge sind selbst dann diskutabel, andere nur die halbe Wahrheit. Wenn jemand beispielsweise das Grundgesetz zitiert, wonach die Würde des Menschen unantastbar sei, ist ihm zunächst mal zuzustimmen. Der Schutz der persönlichen Würde gilt allerdings auch für Menschen, die nicht dem aktuellen Bayern-Kader angehören.
Zuletzt hat man den Eindruck gewinnen können, es gäbe in diesem Land nichts Wichtigeres als den Fußball-Rekordmeister. Zunächst die sagenhaft missratene Pressekonferenz, dann die Berichte über mögliche Ambitionen, sich in eine Superliga abzusetzen, um noch viel mehr Geld zu verdienen. Das Bild, das die Bayern abgaben, war wenig schmeichelhaft bis blamabel.
Prompt tritt das immer noch prominenteste Gesicht des Clubs vor die Kamera und formuliert Sätze, die nicht weniger als einen Verstoß gegen das Vereinsgrundgesetz bedeuten und erkennbar auf die öffentliche Meinung abzielen. Die These, man sei in Dortmund Außenseiter, hielt aber gerade mal einen Tag. Dann relativierte Hoeneß, Dortmund sei zwar stark, doch nicht so stark, wie der FC Bayern sein könnte. Das wiederum passte wunderbar zur jüngsten Behauptung, man sei „nicht so arrogant, wie ihr alle glaubt“.
Verlässlich produzieren sie selbst dann Schlagzeilen, wenn gar nichts passiert. Weder reisen sie als Außenseiter nach Dortmund noch müssen sie sich – jüngstes Beispiel – auf die Schnelle einen neuen Präsidenten suchen. Die Schlagzeile „Hoeneß kündigt Rückzug an“, die am Donnerstag die Runde machte, ist durch nichts gedeckt. In Wahrheit hat er nur abstrakt über die Möglichkeit eines Führungswechsels gesprochen, eine eierlegende Wollmilchsau als Nachfolger ins Gespräch gebracht und unter illusorischen Bedingungen einen Abschied 2019 avisiert: „Wenn ich wüsste, der oder der kann das.“
Darüber hinaus hat Uli Hoeneß am Donnerstag angekündigt, nie wieder einen Menschen öffentlich so zu beleidigen, wie er Juan Bernat neulich beleidigt hat. In diesem Punkt sollte man ihn beim Wort nehmen.
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