FC Bayern und Kovac

Das kleinere Problem

von Redaktion

MARC BEYER

Für Fußballer sind Länderspielpausen Segen und Fluch zugleich. Wer zur Nationalmannschaft reist, kommt auf andere Gedanken, was dem Kolumbianer James sehr zusagen dürfte. Einige seiner Bayern-Kollegen hingegen machen sich auf zum DFB-Team. Dort läuft ihnen Marco Reus über den Weg. Vielleicht erzählt er noch mal davon, welch fabelhaftes Wochenende er hinter sich hat.

Noch frustrierender werden die nächsten Tage an der Säbener Straße sein. Spieler und Trainer werden ihrem Job unter dem bleiernen Eindruck einer Partie verrichten, die einen Umkehrschub hätte bringen sollen, am Ende aber all den unguten Debatten um Mannschaft, Trainer und ihr Verhältnis nur neuen Auftrieb verlieh.

Es gelten die jüngsten Machtworte der Bosse, wonach sie weiterhin für Niko Kovac kämpfen wollen (Hoeneß) und intern keine Diskussionen über ihn führen (Rummenigge). Eine Trennung in der Länderspielpause wäre mit einem massiven Gesichtsverlust verbunden. Und die dringlichsten Baustellen wären noch gar nicht in Angriff genommen. Denn der Trainer, das scheint auch den Chefs klar, ist aktuell das kleinere Problem.

Krachend fliegen den Bayern in diesem Herbst die Versäumnisse aus Frühling und Sommer um die Ohren. Sie wollten es als Akt der Vernunft verkaufen, als sie sich auf dem Transfermarkt entschieden passiv verhielten. Doch im trüben Licht des Novembers wirkt das Vorgehen nur noch mutlos und realitätsfern. Im Kern besteht die Mannschaft aus Spielern, die ihre allerbesten Jahre schon hinter sich haben. Es waren grandiose Jahre, die manchen Entscheider zu dem Schluss verleiteten, mit so viel Qualität lasse sich der Zeit ein Schnippchen schlagen, Der Besuch bei den jungen, hungrigen, rasend schnellen Dortmundern hat sie eines Besseren belehrt.

Erfahrungsgemäß reagiert man in München auf schwere Niederlagen rigoros. Es wird ein spannender Transfersommer werden, vielleicht schon ein spannender Winter. Und dann müssen Sie Ihre Mannschaft auch noch jemanden anvertrauen. Niko Kovac ist vielleicht ein Opfer der Umstände, doch Spielstil, Binnenklima und Personalführung fallen in seine Verantwortung. Die Bayern mögen stolz sein auf ihr Festgeldkonto, aber für das Gewähren langer Kredite waren sie noch nie bekannt.

marc.beyer@ovb.net

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