München – Will Cummings wackelte einmal rechts, einmal links, dann zog er an Nihad Djedovic vorbei. Angekommen am Korb versenkte der Spielmacher der EWE Baskets Oldenburg den Ball lässig, obwohl ihm sein Gegenspieler noch einen kleinen Schubser verpasst hatte. Falls es irgendeinen Zweifel an der Qualität des Amerikaners gegeben hatte, räumte der aktuell beste Werfer der Basketball-Bundesliga diese in jener Szene aus. Nach drei Minuten hatte er bereits sieben Punkte erzielt – drei mehr als die Spieler des gegnerischen Teams, dem FC Bayern, zu diesem Zeitpunkt angesammelt hatten.
Kurz darauf hatte Stefan Jovic genug von der Cummings-Show: Als sich der Amerikaner mal wieder bis unter den Korb gemogelt hatte, sprang Jovic ab und blockte den Ball. Die Aktion wirkte wie ein Startsignal für die Münchner, die kurz darauf in Führung gingen und diese beim letztlich souveränen 95:74-Sieg nicht mehr hergaben.
„Anfangs hatten wir noch Probleme in der Defensive“, sagte Bayern-Trainer Dejan Radonjic. Zu Beginn zeigten Cummings und Ricky Paulding ein ums andere Mal, warum man die Baskets nicht unterschätzen sollte. Die Niedersachsen hatten zuvor ja auch erst einmal verloren. Doch in München bekam die Achse Cummings-Paulding (beide 14 Punkte) kaum Unterstützung von den übrigen Mitspielern. Sobald sich die FCB-Verteidigung auf die beiden besten Oldenburger konzentrierte, wurde aus der eigentlich zweitbesten Liga-Offensive ein kreativloser Pulk aus Einzelspielern.
Der FC Bayern machte seinerseits da weiter, wo er am Donnerstag aufgehört hatte. Da hatten die Münchner auf höchster Ebene, in der Euroleague, sagenhafte 69 % ihrer Dreipunktwürfe getroffen und Darussafaka Istanbul mit 116:70 demontiert. Auch gestern hatten sie weiche Hände, trafen 60 Prozent der Dreier ins Ziel. „Wenn die Würfe fallen, ist es immer einfacher“, sagte Petteri Koponen, der mit 15 Zählern erfolgreichste Münchner.
Koponen steht für die sinnbildlich für die Offensivkraft der Bayern. Der Finne kam im Sommer als hochgelobter „Scharfschütze“ nach München. Anfangs hatte er noch Probleme, nun gelingt ihm immer mehr. „Im neuen Team dauert es immer etwas, um sich anzupassen“, sagte er. Marko Pesic, Geschäftsführer des FC Bayern, pflichtete bei: „Man sieht, dass sich die Mannschaft verbessert.“
Nach Istanbul konnte nun auch Oldenburg diese Steigerung aus nächster Nähe begutachten. Im dritten Viertel verloren die Gäste endgültig den Anschluss – was Oldenburgs Trainer Mladen Drijencic bedauerte: „Wir waren leider nur 25 Minuten im Spiel.“
Die Bayern stehen nun als einziges noch ungeschlagenes Team an der Spitze. Im besten Fall halten sie ihre erstaunlich gute Form der vergangenen Woche, spielt man am Freitag doch gegen ZSKA Moskau. Die Russen haben in dieser Saison auf europäischer Ebene noch kein Spiel verloren. Pesic ist sich dennoch sicher, dass „uns jetzt auch in der Euroleague keiner mehr unterschätzt“. Wie schwer es ist, gegen ein Kaliber wie Moskau zu bestehen, wissen sie aber auch in München.
Schließlich spielen da gleich mehrere Akteure von der Güteklasse eines Will Cummings.