Lewis Nimmersatt

von Redaktion

Nach dem Fahrertitel fährt Hamilton auch die Team-WM ein – die fünfte für Mercedes seit 2014

VON JENS MARX UND MARTIN MORAVEC

São Paulo – Lewis Hamilton, 33, ließ sich von seiner Crew auf Schultern tragen und auf dem Podium zu einer kurzen Samba-Einlage mit knapp bekleideten Brasilianerinnen hinreißen. Zwei Wochen nach seinem fünften Fahrertitel bei der Formel-1-Siesta in Mexiko machte der Brite mit seinem Sieg beim Großen Preis von Brasilien fast im Alleingang auch den vorzeitigen Triumph der Silberpfeile in der Konstrukteurswertung perfekt. Für seinen deutschen Rivalen Sebastian Vettel platzte damit auch die ohnehin nur vage Hoffnung auf den Trostpreis.

„Es war heute im besten Stil“, sagte Hamilton, der diesmal um den Sieg kämpfen musste: „Es ist eine Wahnsinnsreise mit dem Team. Wir alle haben dafür die letzten Jahre so hart gearbeitet. Wir haben als Einheit zusammengehalten.“

Hamilton setzte sich in einem Reifen- und Überholkrimi vor Mexiko-Sieger Max Verstappen im Red Bull durch, der durch ein haarsträubendes Manöver von Esteban Ocon um den Sieg gebracht wurde. „Der Wagen hat großartig funktioniert, das Team hatte die richtige Strategie. Und dann wirst du so rausgebracht. Mir fehlen die Worte“, sagte der Niederländer. Wie schon über Funk, beschimpfte er Ocon erneut als Idioten. „Ich hoffe, er läuft mir im Fahrerlager nicht über den Weg“, sagte er.

Sie begegneten sich aber ganz schnell. „Er hat mich beim Wiegen rumgeschubst“, schilderte Ocon bei RTL. Bilder des französischen Senders Canal+ zeigten Handgreiflichkeiten, die von Verstappen ausgingen.

Kimi Räikkönen wurde im Ferrari Dritter vor Daniel Ricciardo im zweiten Red Bull und Valtteri Bottas im zweiten Mercedes. Erst danach folgte Vettel. Der 31 Jahre alte Heppenheimer kam nicht über den sechsten Platz im zweiten Ferrari hinaus.

Auf der Fahrt zum Konstrukteurs-Titel im vorletzten Saisonrennen bewies das Silberpfeil-Duo zunächst mal seine Klasse. Hamiltons nobler Helfer Bottas schob sich auf den gerade mal 340 Bergauf-Metern bis zum Linksknick mit Gefälle an Vettel vorbei. Davor verteidigte Hamilton die 100. Pole Position für Mercedes in der Motorsport-Königsklasse.

Schlechter konnte es kaum beginnen für Ferrari auf der ohnehin kniffligen Mission, Mercedes vom fünften Team-Triumph seit 2014 abzuhalten. Wenn da nicht auch noch Verstappen gewesen wäre. Vettel kämpfte mehr mit seinem Wagen, musste Räikkönen passieren lassen, danach zudem den niederländischen Red-Bull-Piloten.

Ferraris vermeintlicher Gummi-Trumpf war schon nach wenigen der 71 Runden verspielt. Vettel und Räikkönen hatten sich im entscheidenden Abschnitt der Qualifikation für die haltbareren Soft-Reifen entschieden. Hamilton und Bottas wählten Supersoft-Mischungen. Bedeutete: Schnellerer Verschleiß, frühere Boxenstopps. Hinzu kam, dass die Asphalt-Temperaturen gestern höher waren als bei den Runden an den Tagen zuvor.

Dem Red Bull machte das offensichtlich weniger zu schaffen als dem Silberpfeil. Die große Frage: Wann mussten Hamilton und Bottas in die Box? Zunächst deutete Ferrari einen Stopp an, tatsächlich ließen aber erst Bottas in 2,4 Sekunden und dann Hamilton in 2,6 Sekunden die vier Räder wechseln. Beide bekamen Medium-Mischung. Würden sie das Rennen damit durchhalten?

Gut würden sie sich nicht anfühlen, monierte Hamilton schon nach kurzer Zeit und befürchtete, im Duell mit Verstappen zu früh die Reifen gewechselt zu haben. Fast zehn Runden nach dem Silber-Duo steuerte Vettel seinen Boliden an die Box und ließ ebenfalls die Medium-Gummis aufziehen – in sagenhaften 1,9 Sekunden.

Doch Vettel würde mit dem Sieg nichts zu tun haben, das war klar. Zum Topfahrer avancierte Verstappen, der nach seinem Reifenwechsel die Führung von Hamilton zurückeroberte. Kurz zuvor hatte der Weltmeister einen Leistungsabfall beklagt und Regen herbeigefleht.

Regen war es nicht, der ihn wieder nach vorn spülte, sondern eine Kollision von Verstappen mit Ocon im Racing Point Force India. „Was für ein verdammter Idiot“, fluchte Verstappen. Ocon bekam für das unnötige Manöver eine Zehn-Sekunden-Strafe. Verstappen war nun erst recht auf Touren. Während Vettel zum zweiten Mal die Reifen wechseln ließ, jagte der 21-Jährige Hamilton. Vergeblich, erstmals gewann der Brite ein Rennen nach einem vorzeitigen WM-Triumph. Es war der 72. in seiner Karriere.

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