München – Es liegen bewegte Tage hinter dem deutschen Eishockey, seit am Sonntagabend vor einer Woche die Meldung rausrauschte: Marco Sturm, der deutsche Bundestrainer, wechselt in die NHL. Sofort kamen die Nachfolge-Diskussionen in Gang. Findet sich ein ähnlicher Typ wie Marco Sturm (etwa Christian Ehrhoff, der eine annähernd erfolgreiche NHL-Karriere gemacht hat)? Wer von den Trainern in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) könnte den Job – vielleicht übergangsweise – übernehmen? Oder gibt es ein Comeback von Uwe Krupp als Bundestrainer? Er war es ja schon, von 2005 bis 11, mit ihm kam die Nationalmannschaft bei der Heim-WM 2010 ins Halbfinale und auf den vierten Platz.
Mit Stefan Schaidnagel hat der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) inzwischen einen Sportdirektor, und der sagte am Rand des Deutschland Cup in Krefeld, dass Uwe Krupp (derzeit bei Sparta Prag unter Vertrag) „immer in unserem Portfolio ist“. Festgelegt hat man sich im DEB-Präsidium zumindest in einem Punkt: Der Mann nach Marco Sturm soll deutschsprachig sein. Die Suche läuft.
Manche Fans haben auch gefragt: Was macht eigentlich Hans Zach? Von 1998 bis 2004 war er Bundestrainer, 2010 Meister mit den Hannover Scorpions – und somit der einzige deutsche Trainer, der in 25 Jahren DEL einen Meistertitel holte. Danach hörte er auf, sprang 2014 aber für eine halbe Saison bei den Adlern Mannheim ein (was den damaligen Münchner Coach Pierre Pagé in Angst und Schrecken versetzte: „This guy knows how to win“ – Er weiß, wie man gewinnt).
Am Montagvormittag haben wir ihn erreicht, er war im Wald unterwegs. Und klar: Hans Zach hat immer noch eine pointierte Meinung zum Eishockey. Nämlich, dass sich wenig geändert hat: „Was ich vor 30 Jahren gesagt habe, gilt heute noch. Damals war ich 40, jetzt werde ich bald 70.“ Obwohl er sich über die Erfolge seiner Nachfolger Krupp und Sturm gefreut hat („Ich neide keinem etwas, habe etwa auch Pat Cortina immer respektiert“), glaubt er, dass für den Nachwuchs immer noch zu wenig getan wird – was ja auch Marco Sturm meint.
Zach: „Bei uns gilt einer mit 24 als junger Spieler, in Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland, Schweiz sind die die 18-Jährigen. Er sieht etwa die Schweizer im Denkansatz den Deutschen voraus: „Sie investieren fünf Millionen Franken in den Nachwuchs, Ziel ist es, pro Saison in jedem Verein ein, zwei Spieler hochzubringen.“ In der DEL sieht er indes „überalterte Mannschaften“ (und übrigens auch im Fußball: Nationalteam, FC Bayern). „Die Schweizer haben zwar auch ihre Rückschläge, doch sind in den vergangenen Jahren zweimal Vizeweltmeister geworden. Bei ihnen gilt: Gut Ding will Weile haben.“
Zeit, den Appell, die Jungen ranzulassen, wiederzubeleben. Zach ist gelegentlich in München, da sah er, wie die Mannschaft neulich „nur noch vier gestandene Profis im Sturm“ hatte, aber zwei Reihen junger Spieler einsprangen. Und ihm gefällt Maxi Kastner, „der sich sicher nicht verdrängen lässt, wenn etablierte Spieler von ihren Verletzungen zurückkehren“. Für ihn ist klar: „Keiner hat mehr Biss und Willen als unsere deutschen Spieler.“ Man müsse sie aber besser unterweisen. Er selbst, sagt er, hatte als Spieler zwei Trainern viel zu verdanken: in den 60er-Jahren Mike Daski in Bad Tölz („Der beste Ausbilder“), in den 80ern Dr. Pavel Wohl in Rosenheim („Menschlich großartig“). Jungen Spielern, so Zach weiter, solle ein Trainer auch gleich im Spiel immer erklären, was sie besser machen könnten („Nicht erst hernach auf dem Video“).
Ob er nicht selbst noch einmal. . .? Nein. „Das Wissen“, sagt er, „habe ich noch. Aber nicht mehr die Intensität, die ich hatte. Darum war ich so konsequent, früh genug aufzuhören.“