Die neue Welt des Marco Sturm

von Redaktion

Vor vier Jahren gewannen die Los Angeles Kings den Stanley Cup – nun treffen sie das Tor nicht mehr

München – Abflug am Montag, erster Einsatz am Mittwoch: Marco Sturm hat keine Zeit zu verlieren in seinem neuen Job als Assistenztrainer der Los Angeles Kings. Beim Heimspiel gegen die Toronto Maple Leafs wird er gleich mit an der Bande stehen. Sein kleiner Vorteil: Er kommt mit neun Stunden Zeitvorsprung. Der Nachteil: Der Jetlag ist unausweichlich.

Los Angeles Kings – was ist das für ein Club? Die Kings spielen seit 51 Jahren in der NHL, 1967 wurden sie gegründet, als die Liga beschloss, über die traditionellen Eisstandorte zu expandieren. L.A. hatte lange Akzeptanzprobleme – das änderte sich erst 1989 mit dem Sensationstransfer von Wayne Gretzky, dem berühmtesten Eishockeyspieler aller Zeiten, von dem man glaubte, er würde nie von den Edmonton Oilers weggehen. In Los Angeles lockte jedoch die Filmbranche, der Hollywood-Glamour – Gretzkys Frau ist Schauspielerin. Durch „The Great One“ erfuhr das Eishockey die entscheidende gesellschaftliche Aufwertung. Die sportlich besten Jahre kamen aber erst nach der Ära Gretzky, 2012 und 14 gewannen die Kings den Stanley Cup.

Wer sind die Macher? Besitzer ist der US-Milliardär Phil Anschutz. Ihm gehören auch die Eisbären Berlin, sein erster Club in Deutschland waren die München Barons (1999 bis 2002) – bei denen Marco Sturm während seiner Zeit als junger NHL-Spieler immer ins Sommertraining ging. Die Barons verpflanzte Anschutz als Freezers nach Hamburg, vor gut zwei Jahren meldete er sie aber ab, weil er immer nur draufgezahlt hatte. Beteiligt ist Anschutz auch an den Basketball- und Fußball-Franchises in Los Angeles. Von den Vereinslegenden wurden Luc Robitaille und Rob Blake (beide 1994 Weltmeister mit Kanada) eingebunden. Blake ist General Manager, Robitaille fungiert als Präsident, er hat auch ein Auge auf die Dependance in Berlin.

Wo wird gespielt? Seit 19 Jahren im Staples Center, das 18 118 Plätze bietet. Wichtig ist im Anschutz-Konzern die Verwertungskette: Es stehen auch große Bands unter Vertrag, die Anschutz-Hallen bespielen.

Welche besonderen Akteure trifft Sturm in L.A.? Pikanterweise Leute, mit denen er während der Olympischen Spiele zu tun hatte, rund um seinen großen Erfolg, die Silbermedaille. Willie Desjardins ist der neue Cheftrainer, er coachte in Pyeongchang die Kanadier, unterlag Sturm im Halbfinale. Im Endspiel traf er auf Ilya Kovalchuk als einen der Stars der „Olympischen Athleten aus Russland“. Der Stürmer hat eine bemerkenswerte Karriere hinter sich. 2001 kam er in die NHL, wurde zur Tormaschine der Atlanta Thrashers, wechselte 2010 zu den New Jersey Devils, wo er einen 15-Jahres-Vertrag (100 Millionen Dollar) unterschrieb. Eine Sensation, dass er nach drei Jahren ausstieg und zu SKA St. Petersburg ging. Nicht weniger überraschend diesen Sommer seine Rückkehr in die NHL, bei den Kings bekam er einen Drei-Jahres-Kontrakt.

Was kennzeichnet das Team der Kings? Es ist das älteste der NHL (28,87 Jahre), ein routiniertes (Jeff Carter, Anze Kopitar, haben jeweils fast 1000 Spiele), aber trotz Kovalchuk (mit 14 Punkten bester Scorer) ein langsames Team. In der Powerplaywertung belegt es mit 14,8 Prozent Erfolgsquote den 26. Platz unter 31 Teams, in Unterzahl ist es besser (Zehnter mit 82,2 Prozent). Mit 2,06 Toren pro 60 Minuten sind die Kings die offensiv ungefährlichste Mannschaft der Liga – der Angriffsspezialist Marco Sturm ist ihnen hochwillkommen. GÜNTER KLEIN

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