Sozialstunden für den Rüpel

von Redaktion

Verstappen hat sich mal wieder daneben benommen – er muss noch lernen

Sao Paulo – Max Verstappen wedelte mit dem Mittelfinger, er beschimpfte seinen Unfallgegner wüst, schubste ihn am Ende sogar herum – und war damit kaum noch von einem Rüpel im normalen Straßenverkehr zu unterscheiden. Auch die Strafe gegen den Niederländer wollte nicht so recht in die Glitzerwelt der Formel 1 passen: Verstappen muss an zwei Tagen Sozialstunden ableisten, um seinen Ausraster gegen Esteban Ocon beim Großen Preis von Brasilien gutzumachen.

„Du machst alles richtig, pflügst durch das Feld, hast ein großartiges Auto. Und dann wirst du von so einem Idioten rausgehauen, der schon überrundet war“, sagte Verstappen nach dem „geklauten“ Sieg von Sao Paulo: „Da fehlen mir die Worte.“

In der Tat waren die Emotionen des 21-Jährigen ja nachvollziehbar. Verstappen zeigte ein herausragendes Rennen, er wäre der Sieger von Interlagos gewesen, wenn Ocon beim unnötigen Versuch, sich zurückzurunden, nicht diesen Unfall provoziert hätte. Verstappens gewalttätiger Ausbruch gegen Ocon – zumal mehr als eine halbe Stunde nach dem eigentlichen Vorfall – wirkte dann dennoch befremdlich.

Ebenfalls ungewöhnlich war die offensive Art, mit der das Red-Bull-Team seinen Piloten noch bekräftigte. Ocon könne froh sein, „dass er nur geschubst wurde“, sagte Teamchef Christian Horner.

Verstappen hätte den Crash auf der Piste allerdings durchaus noch verhindern können. Stattdessen fuhr er Kampflinie. Der Kollege Verstappen sei eben „ein Draufgänger, und ab und zu erwischt es dich dann halt“, sagte Weltmeister Lewis Hamilton, der das Geschehen aus der Nähe beobachtete – und letztlich den Sieg erbte.

Allerdings ist dieses Draufgängertum nicht unbedingt etwas Schlechtes für die Formel 1, die oft steril und gekünstelt wirkt. Verstappens Ausbruch zeigte, wie viele Emotionen im Spiel sind, machte seine Enttäuschung greifbar und den Sport authentisch. Der Jungstar ist nicht dafür zu loben, aber er hat auch niemanden verletzt – und reiht sich durchaus ein in berühmte Wutanfälle der Formel-1-Geschichte: Nelson Piquet gegen Eliseo Salazar (1982), Nigel Mansell gegen Ayrton Senna (1987), Michael Schumacher gegen David Coulthard (1998). Und jetzt eben Max Verstappen gegen Esteban Ocon.

Am Ende wird die Königsklasse von dem jungen Niederländer profitieren. „Max ist ein künftiger Weltmeister“, sagte Toto Wolff: „Er bringt unglaubliches Talent und unglaubliche Geschwindigkeit mit. Sobald die gröbsten Ecken abgeschliffen sind, ist er ein Mann, der Titel gewinnen wird. Aber es ist ein Lernprozess, den kann man nicht vorspulen.“  sid

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