Der Unbelehrbare

von Redaktion

Franck Ribery kam nach Ausrastern meist glimpflich davon – dieses Mal auch?

VON ELISABETH SCHLAMMERL

München. In den vergangenen Wochen, also vor dem Spiel gegen Borussia Dortmund, war Franck Ribery nicht Franck Ribery und damit weit entfernt von jenem Spieler, den die Fans des FC Bayern so lieben und viele Gegner fürchten – oder besser: gefürchtet haben. Traurig mühte er sich in dieser Saison auf der linken Außenbahn des Rekordmeisters ab. Er rannte sich bei seinen Dribblings meist fest, kam kaum einmal an seinen Gegenspielern vorbei. Wenn er ausgewechselt wurde, nahm er dies fast stoisch hin: weder sein Trikot flog in die Ecke, noch stapfte er missmutig am Trainer vorbei und ignorierte den Handschlag.

In Dortmund gab es wieder den alten Franck Ribery, spielfreudig und angriffslustig, allerdings nicht nur auf dem Platz. In der ersten Halbzeit wirbelte Ribery die gegnerische Abwehr durcheinander, nach Abpfiff knöpfte er sich dann einen französischen TV-Reporter vor.

Nach Münchens Sportdirektor Hasan Salhamidzic bestätigte nun auch der katarische Fernsehsender beIN Sports, dass es eine Auseinandersetzung gegeben hat zwischen seinem Experten Patrick Guillou und dem Bayern-Spieler. „Franck Ribery hat Patrick Guillou beleidigt und ihn körperlich angegriffen“, sagte ein Sprecher des Senders auf Anfrage der Nachrichtenagentur „AFP“.

Über den Grund für den Ausraster kann nur spekuliert werden. Guillou hatte Ribery zuvor im Fernsehen vorgeworfen, für zwei Tore mitverantwortlich zu sein. In den kommenden Tagen wollen sich die Verantwortlichen des Senders und Guillou mit den Münchnern treffen, um darüber zu sprechen, „wie wir die Angelegenheit aus der Welt schaffen“, sagte Salihamidzic.

Im Bundesliga-Hit hat Ribery seine beiden Seiten gezeigt, die schöne und die, dieihn ebenfalls durch seine Karriere begleitet, die nicht so schöne. Die Hand, egal ob die rechte oder linke, hat Ribery einfach nicht im Griff, sie rutscht ihm immer wieder einmal aus. Meist trifft es einen Gegenspieler aber manchmal auch am Geschehen Beteiligte, die eigentlich aufgrund ihrer Funktion ein wenig Abstand halten vom Franzosen. Zum Beispiel erwischte es vor gut einem Jahr den italienischen Schiedsrichter Paolo Tagliavento, nachdem er sich im Champions League-Spiel gegen Anderlecht erdreistet hatte, Ribery die Gelbe Karte zu zeigen. Zugegeben, es war keine Watschn, eher ein Wangenstreichler, aber auch dafür hätte der Franzose vom Platz fliegen können.

Einmal geriet er sogar miteinem eigenen Mannschaftskollegen aneinander. Im Champions League-Halbfinale gegen Real Madrid 2012 kam Arjen Robben mit einer Blessur unter dem rechten Auge aus der Kabine, Ribery, so hatte eine Boulevardzeitung damals recherchiert, war auf seinen Mitspieler losgegangen, angeblich sogar mit Fäusten

Fast immer kam Ribery bisher glimpflich davon. Für die Kabinen-Randale in Madrid bekam er von Bayern eine Geldstrafe aufgebrummt, andere Ausraster wie der Griff ins Gesicht des damaligen Dortmunders Gonzalo Castro im Pokalfinale 2016 wurden höchstens mit Gelb bedacht. Ob nun die Aktion gegen Guillou Konsequenzen haben wird, darüber halten sich die Münchner Verantwortlichen bedeckt. Aber die Unbelehrbarkeit des Spielers dürfte den schwächelnden Meister darin bestärken, die Ära Ribery beim FC Bayern am Ende dieser Saison nach dann zwölf Jahren zu beenden.

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