UEFA droht Finanzsündern

Inszenierte Strenge

von Redaktion

MARC BEYER

Gianni Infantino, der Fifa-Präsident, hat letzte Woche auf Anschuldigungen reagiert, die auch seine Zeit als Generalsekretär der Uefa betreffen. Wortreich bestritt er jedes Fehlverhalten und ging auf konkrete Vorwürfe ein. Auf solche allerdings, die nie erhoben wurden.

Dass zum Beispiel beim Weltverband Geld in undurchsichtigen Kanälen verschwunden sei, behauptet keiner (wobei es auch niemand ernsthaft ausschließen würde). Dennoch beteuerte Infantino mit großer Geste, „kein einziger Franke“ sei verschwunden. Kritikern seiner Personalentscheidungen (Generalsekretärin Samoura und Ethikkommissarin Rojas) unterstellte er Rassismus und Chauvinismus. Wohlwissend, dass die Einwände sich einzig auf die mangelhafte Eignung bezogen.

Die Namen an der Spitze der Verbände ändern sich, aber die Moral ist dieselbe wie zu Zeiten eines Havelange, Blatter oder Platini. Und deshalb ist die spontane Reaktion tiefe Skepsis, wenn die Uefa nun Investorenklubs mit der Wiederaufnahme von Verfahren droht, um Verstöße gegen das Financial Fair Play zu prüfen.

Die Plattform „Football Leaks“ hat neulich enthüllt, wie aggressiv Manchester City und Paris Saint Germain auf mögliche Sanktionen wegen unerlaubter Finanzspritzen reagierten, und wie hilfreich ihnen dabei Infantino war. Nichts ist unmöglich in dieser Branche, in der die Sitten verlottert sind und die Hauptdarsteller unersättlich in ihrer Gier. Die Kleinen werden drakonisch bestraft, die Großen lässig durchgewunken – so interpretiert die Uefa ihr Prestigeprojekt Financial Fair Play.

Bis zum Gegenbeweis ist deshalb davon auszugehen, dass der jüngste Vorstoß sich vor allem an die kritische Öffentlichkeit richtet, nicht an die Clubs in Paris oder Manchester. Die werden so reagieren, wie sie es immer tun: auf Druck mit Gegendruck antworten, Strippen ziehen, die Sache mit Geld zu regeln versuchen.

Es wäre verlockend, die alte Bankendevise „Too big to fail“, wonach manche Player zu groß sind, um zugrunde zu gehen, einmal in der Praxis zu überprüfen. Auf Kunstprodukte wie City und PSG, die mit den ruhmreichen Clubs der Vergangenheit nur den Namen teilen, könnte der Fußball in Wahrheit sehr wohl verzichten. Wenn er es denn wollte und noch Prinzipien hätte. Aber wer darauf hofft, der nimmt auch Gianni Infantino seine Ausreden ab.

marc.beyer@ovb.net

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