Stabil ins Duell mit Stoch

von Redaktion

SKISPRINGEN Richard Freitag macht den besten Eindruck im DSV-Team

VON ERIK ROOS

Wisla – Der Schnäuzer sprießt wieder im Gesicht von Richard Freitag. Genau wie im vergangenen Winter, als dem Sachsen seine bislang beste Saison als Skispringer gelang. „Irgendwie lief es damit“, sagt der 27-Jährige, der eigentlich nur ein Zeichen für die Gesundheit von Männern setzen wollte – wie so viele Wintersportler im November. Dann aber lieferte sich Freitag ein packendes Duell mit Überflieger Kamil Stoch, und der Bart blieb bis zum Saisonende im März.

Freitag gegen Stoch, so könnte auch das große Duell in der am Wochenende beginnenden Saison heißen. „Richard hat Blut geleckt, der zweite Platz im Gesamtweltcup hat ihm viel bedeutet“, sagt Bundestrainer Werner Schuster: „Aber einer war noch vor ihm. Der Dritte der Skiflug-WM von Oberstdorf im vergangenen Januar macht vor dem Start in Wisla den stärksten Eindruck im DSV-Team, noch eher als Olympiasieger Andreas Wellinger könnte er Stoch stürzen. „Richard hat im Winter viel vor“, so Schuster.

Freitag bestätigt das nur zu gerne. Den Gewinn des Gesamtweltcup bezeichnet er als „gutes Ziel“, er werde „es versuchen, auch wenn es nicht einfach wird.“ Schon in der vergangenen Saison hatte er lange das Gelbe Trikot des Führenden getragen, aber dann kam die Vierschanzentournee. Stoch gewann alle vier Springen und trat damit in die Fußstapfen von Sven Hannawald, dem dieses Kunststück als erstem Athleten 16 Jahre davor gelungen war. Freitag stürzte hingegen in Innsbruck und stieg aus. „Was Kamil erreicht hat, war unglaublich“, sagte der Sachse im Rückblick.

Ist nun also Freitag an der Reihe? Die Statistik spricht für ihn: Keiner der letzten zehn Gesamtweltcup-Gewinner schaffte es, im Jahr darauf seinen Titel zu verteidigen. Es gebe allerdings auch noch „viel andere gute Jungs“, betont Freitag. Sein Trainer traut ihm den großen Wurf zu. „Richard ist stabiler und ausgeglichener geworden. Es wird der Tag kommen, und nicht nur einer, an dem er an seine Leistungsgrenze kommen wird. Und dann müssen sich alle warm anziehen“, sagt Schuster.

Ein wenig Sorgen bereitet noch die seit dem Innsbruck-Crash lädierte Hüfte. Freitag stieg im Sommer verspätet ins Training ein, Er betont, dass er keine Schmerzen mehr verspüre: „Da ist alles gut.“ Gut möglich also, dass Freitag einen ähnlich starken Start hinlegt wie vor einem Jahr, als er vor Weihnachten in Nischni Tagil, Titisee-Neustadt und Engelberg gewann. Danach wolle er „die Tournee mal zu Ende springen“, sagt Freitag mit einem Augenzwinkern, ehe er von der WM in Seefeld/Österreich Zählbares mitnehmen will. „Ich habe gemerkt, dass eine Einzelmedaille auch Spaß machen kann. Vielleicht schaffe ich es ja diesmal“, sagt er.

Schuster jedenfalls hat reitag auf dem Zettel, sogar ziemlich weit oben. „Richard war schon letztes Jahr der, der Kamil Stoch am ehesten fordern konnte.“, sagt Schuster und hofft auf eine gute Tournee: „Vielleicht bekommt er dieses Jahr eine zweite Chance.“

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