Sapporo – Seit wenigen Wochen wohnt Noriaki Kasai nun mit Ehefrau Reina Harima und Töchterchen Rino (2) in seiner Traumwohnung, an seine 30 Jahre im Skisprung-Zirkus erinnert dort aber nur die kleine Trophäe der Skiflug-WM in Harrachov 1992. „Mich interessieren eben nur Siege“, sagt Kasai, der in Wisla aber wohl den härtesten Winter seit langem beginnt.
„Das wird meine 30. Saison, das ist etwas ganz Besonderes“, sagt der „Flugsaurier“, der einfach nicht aufhören will: „Man könnte sagen: Ich bin 30 Jahre lang durch die Heisei-Ära geflogen.“ Jene Heisei-Ära begann in Japan am 8. Januar 1989 mit der Thronbesteigung durch Kaiser Akihito. Nur drei Wochen zuvor hatte Kasai sein Debüt im Weltcup gegeben. Akihito ist inzwischen 84 Jahre alt, im April 2019 wird er abdanken. Und irgendwie scheint es, als ob auch das Kasai-Zeitalter sich langsam, aber sicher dem Ende nähert.
Im eigenen Team ist Kasai längst nicht mehr die Nummer eins, die Brüder Junshiro und Ryoyu Kobayashi haben ihn im vergangenen Winter überholt. Was aber viel mehr Sorgen macht: In diesem Sommer nahm der „ewige Nori“ nur an nationalen Wettkämpfen teil – sein bestes Ergebnis war ein 15. Platz.
An ein Karriereende denkt er dennoch nicht. „Es sind keine vier Jahre mehr bis zu Olympia in Peking“, sagt Kasai. Es wären seine neunten Winterspiele, schon jetzt ist er alleiniger Rekordhalter. Auch seine 543 Starts bei Einzel-Weltcups werden in Zukunft kaum zu übertreffen sein. Aber Kasai wäre nicht Kasai, wenn er nicht in größeren Dimensionen denken würde. Wer wissen will, warum das so ist, der landet schnell in der Kindheit. „Als kleiner Jungs war ich sehr arm, ich hatte weder Taschengeld noch Spielzeug“, sagte Kasai kürzlich. Er hat sich nach oben gekämpft. So soll es auch in den kommenden Wochen laufen. Eine Überraschung wäre es nicht, wenn es dem Unverwüstlichen am Ende doch wieder gelingt. sid