München – Drei Siege, drei Niederlagen – der FC Bayern ist mit einer guten Bilanz gestartet. Euroleague-Chef Jordi Bertomeu überrascht es nicht. Der Spanier traut den Bayern sogar Historisches zu, wie er im Interview erklärte.
Bayern-Präsident Uli Hoeneß kündigte vor Saisonbeginn an, in München könne man es nicht verkaufen, länger als 1-2 Jahre nicht Titelanwärter in einem Wettbewerb zu sein. Die ersten Spiele waren gut. Bekommen die üblichen Verdächtigen der Euroleague bald Konkurrenz?
In der Euroleague ist es nicht ganz einfach, nach oben zu kommen. Bei Fenerbahce Istanbul etwa hat es 6-7 Jahre gedauert. Aber man muss auch sehen, dass alles, was Uli Hoeneß seit 2011 zu uns über seine Pläne mit den Basketballern gesagt hat, zu 100 Prozent eingetroffen ist. Wenn er also sagt, sie wollen in drei Jahren Titelanwärter sein, dann müssen wir das ernst nehmen.
Bislang hat allerdings kein deutsches Team auch nur den Sprung in die Playoffs geschafft…
Ja, aber auch Bayern war schon einmal nahe dran, 2014. Ich wäre nicht überrascht, wenn der Club es in diesem Jahr schafft. Dass so etwas auch ohne das größte Budget geht, hat Zalgiris Kaunas im letzten Jahr gezeigt. Keiner hat sie im Final-4 erwartet und doch waren sie da. Ein gut zusammengestelltes Team und harte Arbeit können viel bewirken.
Wo sehen Sie Bayern denn in drei Jahren, wenn die bislang fixierte Zusammenarbeit ausläuft?
Ich hoffe, dass sie ein Kandidat für das Final-4 sind. Es ist ja kein Geheimnis, dass wir Deutschland als strategischen Partner sehen. Wir wollen die Fanbasis dort vergrößern. Und da ist Bayern ein perfekter Partner, der das Zeug zu etwas ganz Großem hat. Organisatorisch ist das ja jetzt schon so.
Sind diese drei Jahre als eine Art Mitgliedschaft auf Probe zu verstehen? Was könnte danach folgen?
Soweit denken wir im Moment nicht. Aber man kann das sicher mit Olimpia Mailand vergleichen, das auf einem ähnlichen Weg zu uns gekommen ist. Im Moment sehe ich keinen Grund, warum danach keine langfristige Zusammenarbeit geben soll. Dabei ist es auch ein wichtiger Punkt, dass in München eine neue Halle gebaut wird. Das zeigt, dass der Club langfristig denkt.
Es geht also um eine A-Lizenz?
Das ist etwas, was beide Seiten wollen. Man kann jetzt nicht sagen, dass es zu 100 Prozent dazu kommt, aber ich würde mal sagen, die Wahrscheinlichkeit ist nahe bei 100 Prozent.
Es heißt, die Bayern hätten im Sommer in den Gesprächen über die Wildcard gute wirtschaftliche Argumente eingebracht..
Deutschland ist ja ein großer Markt, aber ein großer Markt ohne Geschäfte macht keinen Sinn. Von dem her waren sich beide Seiten einig, dass wir bei einer längerfristigen Zusammenarbeit auch etwas zurückbekommen müssen. Uli Hoeneß war von Beginn an sehr hilfreich bei Gesprächen über Fernsehrechte und Sponsoring. Das ist auch so ein Zeichen – Bayern war immer sehr kooperativ. Mit der Telekom haben wir einen Partner bekommen, der obendrein seinen Kunden schon jetzt freien Zugang zu EuroLeague und EuroCup Spielen bietet.
Nach dem Ausstieg von Brose Bamberg ist Alba Berlin der erste Kandidat für den zweiten Startplatz neben Bayern. Auch ein großer Markt, ein großer Klub mit einer großen Fanbasis. Das dürfte Ihnen in die Karten spielen.
Die Erfahrung einfach zeigt, dass die kleinen Märkte sich schwer tun, wirtschaftlich Schritt zu halten. Das ist die Realität. Insofern ist Berlin natürlich sehr interessant. Auch in Frankfurt wird eine neue Arena gebaut. Bamberg hat einen anderen Weg gewählt, das stimmt. Aber das war eine wirtschaftliche Entscheidung. Sie haben sich entschieden, dass sie das Team nicht wettbewerbsfähig halten können.
Interview: Patrick Reichelt