Erfurt – Zum krönenden Abschluss bekam Horst Hrubesch Currywurst, Pommes und seinen geliebten Schokokuchen serviert. Nach dem Abpfiff seiner langen und erfolgreichen Trainer-Laufbahn genoss der 67-Jährige das gemütliche Abschiedsessen mit seinen „Mädels“ im Dorint Hotel am Erfurter Dom.
Das 0:0 seiner Fußballerinnen zum Jahresabschluss gegen stark mitspielende Spanierinnen half Hrubesch, nach sieben Siegen und einem Remis ohne Wehmut loslassen zu können. „Die Mischung aus Jung und Alt wächst zusammen“, lobte der Interims-Bundestrainer, „das hat mir riesig gefallen.“
Im Namen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bedankte sich der Sportliche Leiter Joti Chatzialexiou fürs Hrubeschs „hervorragende Arbeit“ seit der Trennung von Steffi Jones im März. Mit seiner „Persönlichkeit, Erfahrung und Kompetenz“ sei ja nicht nur die souveräne WM-Qualifikation gelungen: „Er hat es mit seinem Trainerteam auch geschafft, der Mannschaft wieder neues Selbstbewusstsein zu vermitteln.“
Nach seiner finalen Mission und fast 50 Jahren im Fußballgeschäft läuft Hrubeschs Vertrag beim DFB am Jahresende aus. Dann reist er mit Ehefrau Angelika erst einmal von Neuseeland aus drei Monate lang durch die Welt. „Ich freue mich darauf, frei zu entscheiden. Keine Termine mehr zu haben, hinzugehen, wohin ich möchte.“
Weiteres Reiseziel wird im Sommer Frankreich sein, wo der zweimalige Weltmeister Deutschland bei der WM (7. Juni bis 7. Juli) wieder um den Titel mitspielen will. Dazu soll nun Martina Voss-Tecklenburg auf dem gelegten Fundament aufbauen, mit der Unterstützung von Hrubeschs Assistenten Britta Carlson, Thomas Nörenberg und Torwartcoach Michael Fuchs.
Bis zur offizielle Vorstellung am 30. November muss die vom DFB-Sportdirektor Hrubesch selbst ausgewählte Nachfolgerin aber noch einen missglückten Abschied verarbeiten. Voss-Tecklenburgs erfolgreiche siebenjährige Aufbauarbeit als Nationaltrainerin der Schweiz endete am Dienstag durch ein 1:1 im Rückspiel des Playoff-Finales (Hinspiel 0:3) gegen Europameister Niederlande mit der verpassten WM-Teilnahme.
„Ich bin sehr, sehr traurig“, sagte die 50-Jährige dem Schweizer Blick mit Tränen in den Augen. „Es überwiegt aber die Dankbarkeit für eine wunderbare Zeit, die mir auch eine neue Möglichkeit eröffnet hat, die ich ansonsten eventuell nicht bekommen hätte.“
Die Schweizerinnen lassen sie ungerne ziehen. „Sie hat den Schweizer Frauenfußball mit ihrem Glauben an uns und ihrer deutschen Mentalität vorangebracht“, sagte die frühere Potsdamerin Lia Wälti. Ihre Leidenschaft für den Sport sei einzigartig, „und auch als Mensch ist sie uns ans Herz gewachsen“.
Die neuen Schützlinge von „MVT“ freuen sich am Ende eines aufwühlenden Jahres auf die Ära mit der 125-maligen Nationalspielerin, die mit einem Trainingslager im Januar in Marbella beginnt. Doch nach dem verpassten Sieg als Dankeschön für Hrubesch fiel die Trennung nicht leicht. „Wir bedauern, dass wir ihn loslassen müssen“, sagte Lina Magull, die sich wie viele ihrer Mitspielerinnen noch ein Autogramm der Fußball-Legende sicherte.
Bevor der Europameister von 1980 ohne große Abschiedsgesten aus dem Scheinwerferlicht verschwand, hielt er sich aber doch noch eine kleine Hintertür offen. „Wenn irgendjemand irgendwann meine Hilfe braucht, bin ich immer bereit zu helfen“, sagte Horst Hrubesch. „Aber“, schob er gleich nach, „ich werde höchstwahrscheinlich nicht auf der Bank sitzen.“ JANA LANGE