Der Beinahe-Weltmeister von 2014

von Redaktion

Als Serge Gnabry in England ein paar Profispiele hatte, war er schon DFB-Kandidat

Leipzig – Im Nachhinein betrachtet: Bei der Weltmeisterschaft 2018 hätte die deutsche Nationalmannschaft Serge Gnabry gut gebrauchen können. Die breite Öffentlichkeit kannte ihn seit dem Olympiaturnier 2016, da war er der auffälligste deutsche Spieler (gegen allerdings auch nicht ganz so großartige Konkurrenz). Und mit einer fulminanten Bundesliga-Rückrunde 2017/18 für die TSG Hoffenheim empfahl er sich auch dafür, auch in Russland zum Kreis der 23 besten deutschen Kicker zu gehören. Indes: Mitten in seinem Lauf, der sich in regelmäßigen Toren äußerte, verletzte Gnabry sich. Keine WM.

Wenn man Bundestrainer Löw fragt, ob Serge Gnabry 2018 ohne diesen Zwischenfall dabei gewesen wäre, bekommt man eine überraschende Antwort: „Der Serge war schon für die WM 2014 ein Thema. Da haben wir uns überlegt, ihn mitzunehmen.“ Vor gut vier Jahren, als die deutsche Mannschaft noch einen Miroslav Klose hatte und einen Thomas Müller in permanenter Hochform, einen verlässlichen Andre Schürrle und einen Mario Götze, an dem noch nicht gezweifelt wurde. Gnabry? Gehörte damals zum FC Arsenal, zu dem er bereits in der Jugend von Stuttgart aus gewechselt war. „Er hat mit 17, 18 ja schon Premier League gespielt“, sagt Löw. Allerdings: In der Saison 2013/14 wurde Gnabry nur in neun Spielen (und zweimal in der Champions League) eingesetzt, danach begann eine andere Phase in seiner Karriere: Verletzungen, Gewichtsprobleme, Zweifel, ob der Hochbegabte den Erwartungen gerecht werden könnte. 2014/15, als er schon hätte Weltmeister sein können, spielte er lediglich in Arsenals zweiter Mannschaft, und auch eine Leihe zu West Bromwich Albion verlief für alle Beteiligten unbefriedigend.

Das Olympia-Turnier 2016, zu dem kaum ein Bundesligaverein seine guten jungen Leute abstellen wollte, spülte ihn zurück ins deutsche Nationalmannschafts-System. Auf einmal war er heiße Ware. Es hieß, 17 Bundesliga-Clubs würden ihn haben wollen. Alle bis auf die Bayern, für die sei ein Arsenal-Reservist kein Thema. Doch es waren die Münchner, die ihn letztlich dauerhaft bekamen.

Löw findet, Gnabry habe seinen Weg planvoll gewählt: Bremen, Hoffenheim, jetzt der FC Bayern, alles zur richtigen Zeit. Der Serienmeister gilt derzeit zwar als Krisenherd – Serge Gnabry ist aber ausdrücklich ausgenommen, er wirkt sogar wie die Lösung für vieles, für die linke wie die rechte Seite. Löw sah ihn in Dortmund „sehr stark“. GÜNTER KLEIN

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