Noch nicht fertig mit der NHL

von Redaktion

Yasin Ehliz vor Debüt mit dem EHC München – Nordamerika-Wechsel jederzeit möglich

VON GÜNTER KLEIN

München – Als Bad Tölzer Gewächs war Yasin Ehliz immer ein Wunschspieler des EHC München. Aber der Außenstürmer wirkte unerreichbar, da seit Teenager-Tagen fest an die Nürnberg Ice Tigers gebunden. Ein missglücktes Nordamerika-Intermezzo des 25-Jährigen hat die Lage verändert: Der Vertrag mit Nürnberg war hinfällig, Ehliz kam wenige Wochen nach seinem Wechsel nach Kanada wieder auf den deutschen Markt. München griff zu.

Die Nürnberger sind so was von sauer, dass der Nationalspieler plötzlich für den Konkurrenten spielt – sie hätten ihn selbst dringend benötigt. Nun herrscht Rosenkrieg: Auf ihrer Homepage haben die Ice Tigers Yasin Ehliz einige Unnettigkeiten hinterhergerufen. Wie: Erst Bonus kassiert, dann abgehauen. Und die mündliche Zusage gebrochen, dass die Heimkehr nach Franken erste Option für die Saison 2018/2019 sei.

Während Ehliz selbst wegen eines grippalen Infekts beim Deutschland Cup in Krefeld nicht auftauchte, äußerte sich dort sein Berater Klaus Hille gegenüber dem Podcast „Shorthanded News“. Die wesentlichen Inhalte: Ehliz hatte „vier, fünf Pakete von DEL-Clubs vorliegen“, seitens Nürnbergs habe es „eine Absichtserklärung, aber kein Angebot“ gegeben; für München sprachen sportliche Gründe und auch finanzielle: „Natürlich hat Red Bull da eine Strahlkraft.“

Ehliz wolle nach dem Negativerlebnis Calgary „einfach nur spielen“. Er stelle „keine Ansprüche auf einen prominenten Platz – aber nach den Gesprächen, die wir hatten, sind wir sicher: Yasin wird seine Eiszeit auch bei vollem Line-Up bekommen.“

Das haben die Münchner bei Weitem noch nicht, wenn sie am heutigen Donnerstag (19.30 Uhr) bei den Schwenninger Wild Wings wieder in den DEL-Betrieb einsteigen. Auf der Verletztenliste stehen Michael Wolf, Mads Christensen, Trevor Parkes, Patrick Hager – vor allem im Sturm sind Plätze frei. Trainer Don Jackson kann Yasin Ehliz gerade sehr gut gebrauchen.

In Nürnberg war der Tölzer zum Erstreihenstürmer gereift, zusammen mit den Routiniers Patrick Reimer und Steve Reinprecht bildete er die in den vergangenen Jahren produktivste Reihe in der Deutschen Eishockey-Liga. Ehliz’ Stärken: Er ist schnell und ein Ass in den Ecken. Und er kann was aushalten: Vor eineinhalb Jahren war ihm in den Playoffs (gegen Augsburg, Viertelfinale) ein Stück vom Ohrknorpel weggeschossen worden – Blutbad auf dem Eis, ab ins Krankenhaus. Am Tag danach stand er schon zu Telefoninterviews bereit, am übernächsten spielte er wieder.

Nach Sinan Akdag aus Rosenheim (nun in Mannheim) wurde Yasin Ehliz zum zweiten türkischstämmigen deutschen Eishockey-Nationalspieler. Durch ihn entdeckte die ganze Familie den Sport. Sein Vater organisierte in Bad Tölz ein Frauen-Länderspiel zwischen Deutschland und der Türkei (es war ausverkauft), Onkel Cengiz ist mit seiner Firma „Wee“ Hauptsponsor der Tölzer Löwen und Namensgeber der Arena (und auch im Boxsport involviert), der jüngere Bruder von Yasin, Aziz (20), spielt in Tölz DEL2.

Verwerfungen irgendeiner Art gehörten bislang nicht zur Karriere von Yasin Ehliz. Die vergangenen Wochen brachten die erste. „Calgary war ein Missverständnis“, meint Berater Hille, „man hat Yasin behandelt wie einen Rookie, nicht wie einen Silbermedaillengewinner“. Trotz dieser negativen Erfahrung (der Deutsche wurde ins Farmteam Stockton Heat in der AHL abgeschoben und dort kaum eingesetzt) ist das Thema NHL für ihn noch nicht durch.

Die Vertragsbindung an den EHC München ist laut Hille „langjährig“, offensichtlich bis 2020 plus einer Option – doch klar sollte sein: Wenn die NHL noch einmal ruft, regelt das Transferabkommen mit der DEL die Freigabe. Hille stellt klar: „Dann könnte München Yasin auch nicht halten.“

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