München – Fans des TSV 1860 müssen stark sein, wenn sie in Ermangelung frischer Fußballspiele die Torjägerliste der 3. Liga studieren. Unter den neun besten Schützen finden sich vier Angreifer mit Giesinger Stallgeruch: Von Stephan Hain (2013-16) über Manuel Schäffler (2001-01) und Marvin Pourie (2009) bis hin zu Stefan Aigner (dreimal bis 2017). Es folgt sogar noch ein weiterer Ex-Löwe (Anton Fink/1996-2008), ehe man beim besten aktuellen Löwen landet. Das ist Adriano Grimaldi, der aber seit Wochen bei vier Treffern stagniert.
Auch dank seiner vielen Assists (sechs) ist der Deutsch-Italiener unverzichtbar im Angriff des Aufsteigers. Doch wie sich bei der finalen Chance des Halle-Spiels (1:1) zeigte: Er hatte schon mal mehr Punch, der ehemalige Münsteraner. Die letzte Entschlossenheit beim Abschluss – sie geht zwar den meisten Löwen ab, doch bei Grimaldi, der eine exponierte Position bekleidet, fällt es eben besonders auf, wenn der letzte Treffer viele Wochen zurückliegt (am 1. Oktober gegen Würzburg). „Adi fehlt momentan der Zug zum Tor“, stellte Daniel Bierofka kürzlich fest.
Bei der Suche nach Gründen muss das Trainerteam nicht lange suchen. In Abwesenheit von Bierofka (Fußballlehrerkurs) erklärte Teilzeitcoach Günter Gorenzel: Grimaldi bewege sich zu häufig außerhalb der gefährlichen Räume, verliere dort wertvolle Körner. Ein weiteres Problem spricht Karsten Wettberg, 77, in der „tz“ an: Grimaldi werde zu wenig von den Regelhütern geschützt. „Er wird meist gedoppelt und oft jenseits des Erlaubtes attackiert“, so die Trainerlegende: „Vielleicht liegt es an seiner Statur, dass wenig für ihn gepfiffen wird.“ Das Zugtier im „Ochsensturm“ verteilt 90 Kilo auf eine Länge von 1,88 m – da liegt die Täterrolle in der Wahrnehmung näher als die des (Zweikampf-)Opfers.
Wer genau hinschaut, wird zudem feststellen, dass Grimaldi nicht mehr ganz die Präsenz ausstrahlt wie direkt nach seinem Antritt als Löwe. Die Verantwortung als Zehner, die aufwendige Spielweise – auch der Frust über die vielen verschenkten Siege könnte eine Rolle spielen.
Die Länderspielpause dürfte Grimaldi daher gelegen kommen. Er muss Kraft und Konzentration tanken, denn am Sonntag in einer Woche geht es zum Tabellendritten KSC – und da geht es für 1860 schon darum, ein Absacken Richtung Abstiegszone zu vermeiden. ULI KELLNER