2026 im Fokus

von Redaktion

Die Eisschnellläufer planen langfristig

Obihiro – Olympia ohne Medaille, Monate ohne sportliche Führung und große finanzielle Herausforderungen: Der deutsche Eisschnelllauf befindet sich vor dem heutigen Weltcup-Auftakt im japanischen Obihiro weiter in Schwierigkeiten.

Fast acht turbulente Monate hatte es gedauert, bis die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) nach der Enttäuschung in Pyeongchang ohne Medaillengewinn und dem Rücktritt von Sportdirektor Robert Bartko einen Nachfolger präsentieren konnte. Mit dem Münchner Matthias Kulik, dem langjährigen Shorttrack-Verantwortlichen des Verbandes, soll wieder Ruhe sowie auf lange Sicht auch der sportliche Erfolg zurückkommen.

„Wir wollen kluge Entscheidungen treffen und haben den Fokus auf einen professionellen Nachwuchsleistungssport gelegt“, sagt Kulik: „Diese Weichenstellungen dauern aber einige Jahre, bis sie wirken. Sportler wachsen nicht auf Bäumen.“ Derzeit wolle man in Hinblick auf Peking 2022 erfolgreich arbeiten, das langfristige Hauptaugenmerk gehe aber in Richtung 2026 und darüber hinaus.

Erfolge wären auch beim Saisonhighlight, der Einzelstrecken-WM in Inzell (7. bis 10. Februar 2019), natürlich gern gesehen. Medaillenziele will Kulik aber keine vorgeben: „Die Athleten, die diese Saison weiter individuell trainieren, sollen ihre sicherlich hochgesteckten Ziele erreichen.“ Wenn das nicht klappen sollte, stehe man parat, um sie zu unterstützen.

Der Kreis der Medaillenkandidaten ist weiter erschreckend klein. Bei den Frauen ist Altmeisterin Claudia Pechstein weiter das Aushängeschild. Die 46-Jährige, seit kurzem mit 37 nationalen Meistertiteln deutsche Rekordhalterin, geht bereits in ihre 27. Weltcupsaison. Dass sie national weiterhin die Szene bestimmt, ist eine Auszeichnung für die fünfmalige Olympiasiegerin – und ein Armutszeugnis für die DESG.

Bei den Männern halten Langstreckenspezialist Patrick Beckert und Sprinter Nico Ihle die Fahne hoch. Wie auch Pechstein trainiert das Duo mit eigenen Plänen und unabhängig vom Verband. Nach den Enttäuschungen in der jüngsten Vergangenheit und den chaotischen Zuständen ist die Sehnsucht nach Besserung spürbar.

„In den letzten Jahren gab es immer wieder Störfeuer von außen“, sagt Beckert: „Ich bin froh, dass dieses Kapitel vorbei ist. Es ist wichtig, uns Sportler individuell optimal zu unterstützen.“ Der Weg mit Bundestrainer Erik Bouwman, Teil eines größeren neuen Trainerteams, sei sehr angenehm: „Mit Erik hat das diesen Sommer sehr gut funktioniert, darauf müssen wir aufbauen.“  sid

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