Auf ungewohnter Mission

von Redaktion

Ex-Bamberger Hackett reist heute als Moskauer Bankspieler zum FC Bayern

VON PATRICK REICHELT

München – Die wirklich wichtigen Fragen hatte Daniel Hackett auch in seiner neuen Heimat schnell geklärt. Bresaola, jener hauchzart geschnittene italienische Schinken, das hatte der 30-Jährige herausgefunden, ist auch in Moskau zu haben. Natürlich ist er das, so sagt er, „in Moskau kannst du alles bekommen.“

So ein Stückchen Heimat kann dem italienischen Basketball-Profi und Jung-Vater nur helfen. Hackett ist seit wenigen Wochen Teil von ZSKA Moskau, dem wohl am besten dotierten Korbjägerensemble des Kontinents. Ein Starensemble, das auch in diesem Jahr zusammengestellt wurde um nicht weniger als die Euroleague zu gewinnen.

Bislang liegt der Mann, der im Frühjahr noch seine Brötchen bei den Baskets Bamberg verdiente, mit den Kollegen auf Kurs. Sechs Spiele sind in der Königsklasse absolviert, mit optimalen sechs Siegen führt ZSKA Seite an Seite mit Real Madrid die Königsklasse an. Auftritt Nummer sieben führt heute nach München. Um 20.30 Uhr treten Hackett und Kollegen bei Neuling FC Bayern an.

Mit dem deutschen Meister hat Hackett im Vorjahr keine guten Erfahrungen gemacht. Sieben Mal hat der Guard im Bamberger Trikot mit den Münchnern die Kräfte gemessen, nur ein Sieg sprang heraus. „Bayern hat eine extrem starke Saison gespielt“, sagte er, „wir waren eine Mannschaft im Umbruch – sie waren zu gut für uns.“

Das klingt nach Ernüchterung, aber das ist es nicht. Hackett verliert kein schlechtes Wort über sein Jahr in der Bundesliga. Zu dem es wahrscheinlich nicht gekommen wäre, hätte er sich nicht eine schwere Muskelverletzung im Oberschenkel zugezogen. Olympiakos Piräus hatte kein Vertrauen mehr in ihn. Und Hackett erinnerte sich, dass der deutsche Serienmeister – damals noch geführt von seinem einstigen Mentor Andrea Trinchieri – in jüngster Vergangenheit schon so manche Karriere wieder auf Kurs gebracht hat. Der Gedanke ging letztlich ja auch bei ihm auf, Hackett war der große Lichtblick in einer schwankenden fränkischen Mannschaft, die nach großen Jahren erstmals wieder ohne Titel blieb.

Aber der defensivstarke Guard hatte halt auch nie einen Hehl daraus gemacht, dass er ein attraktives Angebot im Zweifel einem zweiten Vertragsjahr in Bamberg vorziehen werde. Und eine viel bessere Adresse als ZSKA kann einem europäischen Basketballer kaum vorsprechen. Die Klubführung um Ex-Geschäftsführer Rolf Beyer hat auch gar nicht ernsthaft versucht, ihn zum Bleiben zu bewegen.

Auch wenn Hackett, der stets ein Führungsspieler war, im Herbst seiner Karriere nun noch einmal lernen muss, sich hinten anzustellen. Er ist ein Bankspieler. Ein Mann, der Entlastung bringen soll für die Superstars wie Nando de Colo oder Sergio Rodriguez. „Das ist eine Rolle, an die man sich gewöhnen muss“, sagte er, „aber ich bin schon auf einem guten Weg.“

Und das soll nun tunlichst auch der FC Bayern zu spüren bekommen. Wobei Hackett der Münchner Aufschwung der letzten Wochen nicht entgangen ist. „Auswärtsspiele sind in der Euroleague immer schwer“, sagte er, „aber Bayern ist gut drauf, in München wird uns ein extrem schweres Spiel in einer heißen Atmosphäre erwarten.“

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