Bayern und die Euroleague

Der Flirt wird zur Ehe

von Redaktion

PATRICK REICHELT

Nun hat sich Euroleague-Chef Jordi Bertomeu also schon frühzeitig festgelegt. Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, so war die Botschaft des Spaniers im Interview mit unserer Zeitung zu verstehen, wenn der FC Bayern 2021 nicht zum Vollmitglied der Königsklasse aufsteigen würde.

Das ist so gesehen nicht unbedingt eine Überraschung. Die Aussicht, dass nach Real Madrid und dem FC Barcelona die nächste sportliche Weltmarke für Europas Spitzenbasketball zu haben sein könnte, hat schon nach dem Münchner Wiederaufstieg im Jahr 2011 für einige Unruhe in der Ligazentrale in Barcelona gesorgt. Die Euroleague lockte mit Einladungen für ihre beiden Wettbewerbe. Rund ein Jahrzehnt später, wird der Flirt dann wohl zur dauerhaften Ehe werden. Diese Ausssicht wird, das ist im Basketball ein vorhersehbarer Reflex, für Kritik sorgen. Aus den Reihen der Traditionalisten, die an Stelle der ewig polarisierenden Münchner lieber einen, im Spitzenbasketball gewachsenen Club wie etwa Alba Berlin sähen.

Doch das ist ein naives Denken in einem Umfeld, das seit jeher von wirtschaftlichem Gedankengut geprägt ist. Die Euroleague mag das ein oder andere Plätzchen lassen für sportliche Aufsteiger. Für Vereine wie Buducnost Podgorica. Die Montenegriner liefen in der Heimat Roter Stern Belgrad zuletzt den Rang ab. Gegen die Kerngesellschafter aus Griechenland, Spanien, der Türkei oder Russland dagegen stehen sie dieser Tage doch auf verlorenem Posten.

Die Euroleague ist seit ihrer Gründung als Business aufgebaut. Gefragt ist, wer neben Spitzensport auch Rendite verspricht. Und das ist nicht Podgorica. Es sind millionenschwere Topclubs wie ZSKA Moskau, Real Madrid, Fenerbahce Istanbul – oder eben der FC Bayern. Hand aufs Herz – welchem deutschen Club außer den Münchnern mag man zutrauen, langfristig mitzuhalten mit den potenten Basketball-Großmächten des Kontinents. Die Baskets Bamberg haben sich in den vergangenen Spielzeiten sportlich durchaus achtbar geschlagen.

Doch auch der Serienchampion hat trotz aller Sehnsucht das Handtuch geworfen – die Franken verschrieben sich im vergangenen Sommer gleich für fünf Jahre der derzeit eher drittklassigen Champions League des Dachverbandes FIBA Europe.

patrick.reichelt@ovb.net

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