James und andere Unruheherde

von Redaktion

Dem FC Bayern stehen spannende Monate bevor – Gerüchte um Arsenal-Profi Ramsey

VON MARC BEYER

München – Länderspielpausen sind für Clubfunktionäre immer eine Zeit des Zitterns. Wenn sich das kostbare Personal auf den Weg macht, um in aller Welt in den diversen Nationalteams zu spielen, fragt sich jeder Trainer und Sportdirektor, in welchem Zustand die Kicker wohl zurückkehren. Bei James Rodriguez und dem FC Bayern schien die Sorge diesmal unbegründet zu sein – der Kolumbianer war in München geblieben. Doch als hätten die Bayern zuletzt nicht schon genug Hiobsbotschaften zu verkraften gehabt, kam am Mittwoch eine weitere dazu. Wie die Untersuchung bei Vereinsarzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt ergab, hat sich James im Dienstagstraining einen Teilriss des Außenbandes im Knie zugezogen.

Zehn Tage Ruhe wurden dem Patienten umgehend verordnet, anschließend beginnen Therapie und Rehabilitation. In der Summe wird sich die Pause so ziehen, dass der Mittelfeldmann erst 2019 wieder für den Rekordmeister auflaufen wird. Für alle Beteiligten ist es der traurige Abschluss eines Jahres, das vielversprechend begann, zuletzt aber von Unzufriedenheit und ständigen Irritationen geprägt war.

Nach seiner jüngsten Wadenblessur hätte James in der Länderspielpause an seiner Fitness arbeiten sollen, um dem Spiel der Bayern in den Partien bis zur Winterpause die dringend benötigte Kreativität zu verleihen – das war der Plan. Daraus wird nun nichts, und weil auch Thiago (Sprunggelenk) noch ein Weilchen ausfällt und Thomas Müller zuletzt in Dortmund in zentraler Rolle nicht zu überzeugen wusste, ist das eh schon besorgniserregende Vakuum in der Zentrale eher noch gewachsen.

Immer deutlicher zeichnet sich ab, dass die Bayern ihre Erwartungen an die Saison 18/19 wohl werden senken müssen. Schon bei der Niederlage in Dortmund waren die Schwächen des Kaders am Wochenende drastisch aufgezeigt worden. Neben der generell beschränkten Auswahl aufgrund der geringen Kaderbreite und zahlreichen Verletzungen mangelt es vor allem an Tempo und Esprit.

Fast so groß wie die Ernüchterung ist die Konfusion, wenn es Schlüsse zu ziehen gilt. Während Uli Hoeneß am Wochenende davon sprach, im Winter „sicherlich keine Aktivitäten am Transfermarkt“ zu starten, beteuerte Hasan Salihamidzic im „kicker“, „unsere Augen immer offen“ zu halten. Karl-Heinz Rummenigge wiederum wollte beim Thema Verstärkungen „weder ein- noch ausschließen“.

Konsens ist aber, dass der ganz große Schnitt erst im Sommer gesetzt wird. Dann werde sich das Gesicht der Bayern „ziemlich verändern“, kündigte Hoeneß bereits am Wochenende an. Im „kicker“ fügte er nun hinzu, welche Konsequenzen das für die Belegschaft hat. „Man muss den Spielern schon sagen, dass sie die nächsten drei, vier Monate unter Druck sind“, kündigte der Präsident an. Am Ende werde man dann sehen, „wer zu gebrauchen ist und wer nicht“.

Das klingt befremdlich, wenn man bedenkt, dass Hoeneß nach der unglücklichen Pressekonferenz sich eigentlich künftig sensibler äußern wollte. Aber es zeigt auch, wie angespannt die Nerven an der Säbener Straße sind. Die Einschätzung, man sei noch immer „die mit Abstand beste Mannschaft in Deutschland“ und alles unterhalb von Platz eins wäre „eine Riesenenttäuschung“, hat Sandro Wagner exklusiv.

Während der Reservestürmer „keine Angst vor einem Umbruch“ hat, sehen andere Profis die Notwendigkeit einer Runderneuerung deutlich klarer. Kingsley Coman räumt ein, das Team sei „ein bisschen in die Jahre gekomen“. Der Franzose, der nach seinem Syndesmosebandriss in Kürze zurückkehren und dem Bayern-Spiel das schmerzlich vermisste Tempo verleihen soll, hat Verständnis, wenn die Bosse „zur rechten Zeit auch über neue Spieler nachdenken“. Gestern zum Beispiel brachte der Londoner „Independent“ den walisischen Mittelfeldspieler Aaron Ramsey (27) vom FC Arsenal ins Spiel, der im Sommer ablösefrei ist

Dass es höchste Zeit ist, etwas zu tun, bestreitet bei den Bayern keiner (außer Sandro Wagner). Es wird viel passieren, so viel ist sicher. Und nicht mal James Rodriguez, bei dem die 42-Millionen-Euro-Kaufoption des Vereins noch vor wenigen Monaten wie ein echtes Schnäppchen wirkte, ist mehr untastbar

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