Verlust des Herzstücks

von Redaktion

Der TSV Großhadern zieht seine beiden Clubs aus der Judo-Bundesliga zurück

München – Vor knapp drei Wochen hatten die Bundesliga-Herren des TSV Großhadern noch auf der Hamburger Reeperbahn nach dem Halbfinale der Deutschen Meisterschaft gefeiert. Das ersatzgeschwächte Judoka-Team war dem amtierenden Titelträger Hamburger JT nach guter Leistung unterlegen. Spätestens seit Beginn der Woche ist aus der Feierlaune endgültig eine Kater-Stimmung geworden. Der mehrfache deutsche Meister gab nach einer Sitzung der Abteilungsleitung mit ehemaligen Haderner Bundesliga-Kämpfern offiziell per Mitteilung bekannt, dass er die Bundesliga-Teams der Damen und Herren aus dem Ligabetrieb zurückziehen wird.

„Wir mussten gewichten, wie wir das Geld ausgeben. Es war eine schwere Entscheidung, die wir nicht leichtfertig getroffen haben. Es sind auch Tränen geflossen“, sagte Großhaderns Abteilungsleiterin Doris Auer. Zwei Gründe gab die Vereinsführung für ihren harten Schritt an, der auch schon in der Vorsaison diskutiert worden war. zum einen seinen die stetig steigenden Kosten für die beiden Mannschaften im oberen fünfstelligen Bereich in dieser Form nicht mehr zu bewältigen, da der traditionelle Judo-Verein aus Fairnessgründie Ausgaben nicht mehr wie bisher mehrheitlich aus Mitgliedsbeiträgen erwirtschaften wolle. Das Geld möchte der TSV fortan lieber in die Nachwuchsarbeit stecken, um eigene Sportler auf dem Weg zu internationalen Karrieren besser unterstützen zu können.

Zum anderen gaben die Haderner an, dass Überlastungen und Verletzungen ihrer international antretenden Athleten bei Bundesliga-Kämpfen in den vergangenen Jahren zugenommen hätten. Auf der Suche nach großen Geldgebern mussten die Haderner gegenüber anderen populären Sportarten kapitulieren. „Da haben wir in München als Randsportart überhaupt keine Chance, bei Sponsoren wahrgenommen zu werden“, sagte Auer.

Ob und in welcher Liga es fortan weitergehen wird, ist noch offen. Der Schock über den Verlust des „Herzstücks“, wie Auer die Bundesliga-Mannschaften nennt, sitzt tief. Zu tief um weiter voraus zu blicken. „Das muss jeder erst einmal verarbeiten“, meinte die Abteilungsleiterin. Robert M. Frank

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