Vom Schüler zum Erzieher

von Redaktion

Leroy Sane ist dabei, im DFB-Team die Kurve zu kriegen

Leipzig – Leroy Sane gehört jetzt zu den Guten, den Bescheidenen, den Demütigen. Die deutschen Nationalspieler hatten in Leipzig zwei Tage vor dem Match gegen Russland einen Schulbesuch auf dem Programm stehen (hehres Ziel: den Fans, vor allem den jungen, wieder näher rücken), dabei wurde Sane von den Fünftklässlern gefragt, was denn seine schönsten Momente im Nationalteam gewesen seien bisher,

Keine leichte Frage, schließlich ist dieser Teil seiner Karriere überschaubar. Oder, um konkreter zu sein: von Enttäuschungen geprägt, von Nichtberücksichtigungen, etwa für die WM 2018. Leroy Sane hat dann aber doch die besonderen persönlichen Augenblicke ausgemacht. „Mein erstes Länderspiel in Frankreich. Und dass ich bei der EM 2016 im letzten Spiel für ein paar Minuten eingewechselt wurde.“

Das sind erstaunliche Statements. Denn Sanes Debüt im November 2015 in Paris fiel zusammen mit dem Attentat auf die Stadt, der Terror erreichte das Stade de France, die Mannschaften konnten erst im Morgengrauen wegfahren, es war wie eine Flucht. Und bei der EM im Sommer 2016 war Sane, damals noch Schalker, der letzte Feldspieler, der seinen Einsatz bekam. Zuvor hatte Joachim Löw ihn immer für seine besondere Spielweise gelobt, für die Alleinstellungsmerkmale – sie sich aber nicht zunutze gemacht. Als gäbe es Anlass, den Hochveranlagten zu disziplinieren.

Schließlich 2018 das Aus im WM-Trainingslager. Offensichtlich reagierte der Bundestrainer darauf, dass Sane mit seiner oft aufreizend lässigen Art im Training den gestandenen Spielern auf die Nerven gegangen war.

Jetzt zieht Leroy Sane an den Weltmeistern 2014 und Stars vorbei, es geht Richtung Stammplatz. Er wirkt vernünftig. Seit zwei Monaten ist er Vater und selbst Erzieher. Vielleicht hilft das. gük

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