Ohne den Frontmann läuft nichts

von Redaktion

Neureuther operiert – Deutsches Männerteam enttäuscht bei Hirscher-Erfolg

München/Levi – Felix Neureuther ist ein positiver Mensch, und das half ihm in seiner bewegten Karriere schon sehr oft. Der Skirennläufer aus Garmisch-Partenkirchen verliert den Humor nicht so leicht – oder höchstens kurzzeitig. Als er aber am Samstagmorgen in Levi den Härtetest für die lädierten Hand abbrechen musste, blickte er ziemlich gefrustet und auch ein wenig resignierend in die Fernsehkamera. Der gebrochene rechte Damen schmerze so sehr, sagte er der ARD, dass er am liebsten „bei jeder Berührung zu schreien anfangen“ würde. Erst recht natürlich, als Neureuther versuchte, die Torstangen wegzuschlagen. Das Experiment, mit einer Schiene und viel Tape um Handschuh und Stock vielleicht doch beim Weltcup-Slalom einen Tag später antreten zu können, scheiterte. „Es macht keinen Sinn“, sagte Neureuther.

Statt sein Comeback zu geben nach fast einjähriger Pause nach einer Kreuzbandverletzung, flog er zurück nach München und wurde dort gestern operiert. Das kaputte Daumengrundgelenk wurde dabei mit zwei Schrauben fixiert. Am Nachmittag postete Neureuther erste Fotos aus dem Krankenhaus – mit Gips und einem bemühten Lächeln.

Wann er nun seine Rückkehr in den Weltcup nachholen kann, steht noch nicht fest. Wenn die Schwellung abgeklungen ist, bekommt er eine Schiene angepasst, frühestens in einer guten Woche. „Nach der OP dauert es, denke ich, sechs Wochen, bis der Heilungsverlauf abgeschlossen ist“, sagte der 34-Jährige: ,„Ich muss jetzt einfach geduldig bleiben und sehen, wie es sich entwickelt.“ Da er im Riesenslalom anders als Slalom die Torstangen nicht mit der Hand wegschlagen muss, rechnet er damit, dass er in dieser Disziplin schneller wieder einsatzfähig sein wird.

Bundestrainer Mathias Berthold hofft dennoch, dass Neureuther mit in die USA reisen kann. „Mir wäre am liebsten, er würde Ende nächster Woche nach Amerika fliegen“, sagte der Österreicher. Allerdings habe man das noch nicht mit dem Arzt besprochen. „Jetzt warten wir das mal ab.“

Ohne Neureuther gab es für die deutschen Slalom-Männer gestern beim ersten Weltcuprennen des Winters nichts zu holen. Der in der Vorbereitung so starke und von Berthold noch extra gelobte Linus Straßer vom TSV 1860 verpasste am Polarkreis die Qualifikation für das Finale, ebenso wie der Riesenslalom-Spezialist Stefan Luitz (Bolsterlang) und Frank Ketterer (Schwenningen). Dominik Stehle (Obermaiselstein) schied im ersten Durchgang aus.

Da hatte sowohl der mit Trainingsrückstand ins Rennen gegangene Fritz Dopfer mit Rang 14 als auch der junge Anton Tremmel noch eine achtbare Leistung gezeigt. Der 23-Jährige aus Rottach-Egern fuhr bei seinem vierten Weltcup-Einsatz mit hoher Startnummer auf den 17. Platz des Zwischenklassements, scheiterte allerdings im Finallauf wie Dopfer an einer kniffligen Torkombination kurz vor dem Ziel. Im Gegensatz zu seinem Teamkollegen rettete sich Tremmel mit großer Verspätung wenigstens noch über die Linie und sammelte als 27. die ersten Weltcup-Punkte. Bester Deutscher und neben Tremmel der einzige in der Wertung war der Oberstdorfer Sebastian Holzmann auf dem 23. Platz – mit 4,40 Sekunden Rückstand auf Marcel Hirscher. Der Österreicher gewann den Slalom in Finnland vor Henrik Kristoffersen aus Norwegen (0,09 Sekunden zurück) und dem schwedischen Olympiasieger Andre Myhrer (1,41 zurück).

„Das ist einfach zu wenig für uns“, kritisierte Alpinchef Wolfgang Maier das Abschneiden der Männer. „Das Team muss lernen, dass sie sich nicht immer auf den Felix Neureuther verlassen kann.“ ELISABETH SCHLAMMERL

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