Als folge man einer geheimen Dramaturgie, schaffte es am Mittwoch nicht nur Oliver Kahn in die Schlagzeilen. Fast zeitgleich tauchte auch Jens Lehmann, sein ewiger Rivale, im öffentlichen Fokus auf, wenn auch in weniger angenehmem Kontext. Das Bild, das da entstand, ist für Lehmann nicht schmeichelhaft: Der eine verhandelt mit den Bayern, der andere mit den Finanzbehörden.
Lehmann hat die Vorwürfe, in Steuerfragen getrickst zu haben, umgehend dementiert. Wie die Menschen ihn sehen, kann ihm nicht egal sein, nicht nur als RTL-Experte wird er genau beobachtet. Er kann auch als Redner gebucht werden, war bis vor ein paar Monaten Torwarttrainer beim FC Arsenal und ist in der Fußballbranche gut vernetzt. Unter all den meinungsfreudigen Ex-Profis, die den neudeutschen Namen „Gurus“ tragen, gehört er zu den erfolgreicheren.
Beide, Kahn und Lehmann, entstammen einer Profigeneration, aus der sich etliche versuchten am Sprung in eine zweite Fußballkarriere, von denen aber nur wenige ihr Ziel erreichten. Scholl oder Effenberg, Basler oder Matthäus – mehr als Halbheiten hat keines der großen Egos vorzuweisen. Selbst bei Oliver Kahn konnte man zwischendurch das Gefühl haben, die wichtigen Zugänge würden ihm womöglich verschlossen bleiben. Nun aber scheint sich die härteste Tür von allen zu öffnen.
In einer Branche, wo sportliche Heldentaten und Heimatverbundenheit oft schon genügen als Qualifikation für einen gehobenen Job, wirkt Kahns Werdegang geradezu konventionell. Nach der Profizeit hat er studiert, Firmen gegründet und sich der Branche aus unterschiedlichsten Perspektiven genähert. Im Prinzip ist das sehr zu begrüßen. Sollten ihm die Bayern aber tatsächlich ihre Zukunft anvertrauen, wären seine klassischen Fußballer-Eigenschaften mindestens ebenso wertvoll.
Sein Wort hat Gewicht, sein Ehrgeiz ist ansteckend, seine Besessenheit gefürchtet. Vieles, was Kahn in einer Führungsposition an der Säbener Straße beherrschen müsste, lässt sich lernen. Autorität aber hat man – oder eben nicht. Hasan Salihamidzic, formal im sportlichen Bereich die zweite Kraft, mag sich noch so bemühen, trotzdem wirkt er in der Öffentlichkeit wie ein Maskottchen. Neulich, auf der denkwürdigen Pressekonferenz, hat Karl-Heinz Rummenigge ihm einfach das Wort abgeschnitten. Das sollte er mal bei Kahn versuchen.
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