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von Redaktion

TSV 1860 Bierofkas „Feuer“-Woche beginnt mit einer Ansprache hinter verschlossenen Türen

VON CHRISTOPHER MELTZER

München – Der Wind rüttelte am Montagmorgen vorsichtig an den Schirmen vor dem Löwenstüberl, Regentropfen prallten auf sie. Auf den Holzbänken unter den Schirmen, wo eigentlich immer ein paar treue Fans sitzen, um die Lage des Löwen zu diskutieren, vereinten sich die kleinen Tropfen zu Pfützen. Und auf den Rasen, wo eigentlich die Profi-Löwen trainieren, trauten sich nur ein paar Vögel.

Als Erster tauchte schließlich Sascha Mölders auf. Er kam aus der Kabine, schaute nach rechts, nach links, keiner da. Also drehte er sich wieder um, zog den Reißverschluss seiner Sportjacke bis unter den Hals und wartete, bis auch die anderen Fußballprofis des TSV 1860 aus dem Umkleideraum drängten. Viele von ihnen hatten sich Fleeceschals um den Hals gelegt, manche schützten ihre Ohren mit Mützen. In zwei großen Gruppen trabten sie dann los. Es hat an der Grünwalder Straße schon schönere Montage gegeben.

Auf dem Trainingsgelände des TSV 1860 ist eine Woche angebrochen, die aber ohnehin nicht bequem werden sollte. „Es wird Feuer geben“, hatte Daniel Bierofka, der Löwen-Trainer, schon in Karlsruhe angekündigt, wo seine Mannschaft am Sonntag 2:3 verloren hatte. Aus Baden wurden später noch mehr Bierofka-Sätze mit scharfem Ton überliefert, manche richtete er an sich selbst („Ich muss mich fragen, ob ich die richtigen Spieler aufgestellt habe“), manche an seine Spieler („Sie müssen sich hinterfragen, was sie da in der ersten Hälfte für eine Leistung gezeigt haben“). Am Montag sprach Bierofka noch einmal mit seiner Mannschaft, an den Reportern stapfte er danach allerdings wortlos vorbei. Um den Ernst der Lage einzustufen, reicht es aber manchmal schon zu wissen, wie lange ein Gespräch dauert, auch wenn man den Inhalt nicht kennt. Das öffentliche Mannschaftstraining hatte der TSV 1860 am Montag für 10 Uhr angesetzt, um 11.03 Uhr kam Sascha Mölders aus der Kabine.

Es gibt viel zu besprechen beim Münchner Fußballclub, den in der 3. Liga nur zwei Punkte von einem Abstiegsplatz trennen. In seiner Saisonstatistik finden sich nach 16 Spielen nun wieder mehr Niederlagen (5) als Siege (4). Und in der Nachbetrachtung der KSC-Pleite merkte Bierofka an: „Wenn man die Tore in der ersten Halbzeit anschaut, dann hätten wir gar nicht herfahren müssen.“

Es kommt hinzu, dass sich die Löwen in dieser kniffligen Phase der Saison auch noch von jenen Aktionen überrumpeln ließen, die sie bisher eigentlich besser beherrschten als die anderen Drittligisten: Standards. Zwar traf 1860-Innenverteidiger Simon Lorenz nach einer Ecke zum 1:1, die drei Gegentreffer fielen aber so: Ecke, Einwurf, Ecke. Und das obwohl Bierofkas Trainerteam auf die Standardstärke des KSC hingewiesen hatte.

Das klingt alles nicht gut, man sollte aber daran erinnern, dass Bierofka erst vor wenigen Tagen gemahnt hatte, dass es nach dem Regionalliga-Absturz „Zeit braucht, die Mannschaft wieder aufzubauen“. Zumal er viel Zeit damit verbringt, nach Hennef zu pendeln, wo er in der Fußballschule Dinge lernt, die seine Mannschaft in Zukunft noch besser machen sollen. Und es gibt auch gerade Grund zur Zuversicht: Nur drei Vereine haben eine bessere Tordifferenz als die Löwen. Eine Statistik, die das Leistungsvermögen einer Mannschaft eigentlich gut einordnet.

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