Buenos Aires – Verzögert, vertagt, abgesagt und nun für Dienstag auf anderer Ebene neu angesetzt: Dem mit allen Mitteln ausgefochtenen Disput um die höchste Clubkrone im südamerikanischen Fußball droht nun ausgerechnet am Sitz des kontinentalen Verbandes CONMEBOL in Paraguay ein weiteres unrühmliches Kapitel. Und beim verzweifelten Versuch, das Final-Rückspiel um die Copa Libertadores auszutragen, gar der endgültige K.o. am Grünen Tisch.
Wie geht es nach der heimtückischen Attacke einer Handvoll River-Plate-Fans am Samstag mit Flaschen- und Steinwürfen auf den Mannschaftsbus von Boca Juniors weiter? Es folgte zunächst noch am Samstagabend ein Gentlemen’s Agreement beider Clubs, das zunächst zu einer 24-stündigen Verlegung des Final-Rückspiels führte. Am Sonntag gab es neue Grabenkämpfen beider Clubs, die in der vorläufigen Absage des brisanten Derbys von Buenos Aires mündeten.
Die Boca Juniors wollten nach dem Horror auf der Fahrt ins Estadio Monumental de Nunez – bei dem unter anderem zwei Spieler von Splittern der zerborstenen Fensterscheiben Augenverletzungen erlitten – am Wochenende verständlicherweise nicht spielen. Und nun sucht der Club gar die Entscheidung auf dem Rechtsweg.
Ob es nach dem 2:2 im Hinspiel nun einen Sieger auf dem Rasen geben wird, hängt vor allem vom ominösen Paragrafen 18 des CONMEBOL-Reglements ab, der alle möglichen Strafen für River Plate nach dem Ausraster seiner Fans vorsieht. Boca pocht seit Sonntag vehement auf den Passus, der den Club zum Gewinner erklärt. Da der Vorfall aber außerhalb des Stadion-Sicherheitsringes geschah, und damit River Plate um die Schuldfrage herumkommen könnte, stellte CONMEBOL-Boss Alejandro Dominguez am Ende eines offiziellen Kommuniques klar: „Die Partie wird stattfinden.“
In der Zwischenzeit hat die italienische Stadt Genua angeboten, das Spiel auszutragen. Bürgermeister Stefano Anzalone verwies in einem Brief an die Präsidien beider Clubs auf die Beziehung zwischen den Städten, die „sportlich, kulturell und durch den Sport“ besonders eng sei. Genua spüre „eine tief sitzende Verbindung zu Ihren beiden Klubs, die von italienischen Auswanderern gegründet wurden“, schrieb Anzalone.
In Buenos Aires steht die neue Woche im Zeichen des G20-Gipfels mit den Regierungschefs der wichtigsten Industrie- und Schwellenländern. Wegen angekündigter Proteste werden alle Sicherheitskräfte eingespannt sein. Ein Sieger muss aber bis zum 18. Dezember gefunden werden, wenn der Libertadores-Cup-Champion sein erstes Spiel bei der FIFA-Club-WM bestreitet. sid