München – Niko Kovac hat sich gut erholt. Der Trainer des FC Bayern kam mit der gewohnten Guten-Laune-Miene zur Pressekonferenz vor dem Champions-League-Spiel heute Abend gegen Benfica Lissabon in die Allianz Arena. Zwei Tage zuvor, nach dem 3:3 gegen Düsseldorf, hatte er an gleicher Stelle noch ganz anders gewirkt: ratlos, fast resigniert, mit leerem Blick versuchte er zu erklären, was nicht zu erklären war.
Vielleicht hatte er sich gestern aber auch einfach nur wieder im Griff. Denn es ist kaum anzunehmen, dass es Kovac wirklich so gut geht, wie er vorgibt. Die Aussagen von Präsident Uli Hoeneß am Samstag sind ihm natürlich zugetragen worden – und sicher auch, dass die wie eine Kurzzeit-Jobgarantie zu interpretieren waren. Die Partie gegen die Portugiesen, in der den Münchnern ein Punkt reicht, um sich bereits einen Spieltag vor Ende der Gruppenphase für das Achtelfinale zu qualifizieren, könnte damit ein Finale bedeuten. Ein Finale dahoam also, dieses Mal aber nicht für die gesamte Mannschaft wie vor gut sechs Jahren gegen den FC Chelsea in der Champions League, sondern nur für Niko Kovac.
Der Bayern-Trainer mochte sich gestern damit nicht auseinandersetzen, zumindest nicht öffentlich. „Diejenigen, die mich kennen, wissen, dass ich ein Kämpfer bin“, sagte der 47-Jährige. „Die Begriffe zurückstecken, aufgeben oder die weiße Flagge hissen, die existieren in meinem Wortschatz nicht und werden nie existieren.“
Die Spekulationen, wonach sich sich ein paar Bayern-Profis nach der Partie am Samstag gegen Kovac ausgesprochen hätten, dementierte er. Er habe ein „ausgesprochen gutes Verhältnis“ zu den Spielern, verkündete Kovac. Das hätten ihm all diejenigen bestätigt, mit denen er gesprochen habe. Vielleicht hat er aber auch mit den falschen Spielern geredet, mit denen, die noch hinten ihm stehen. Die gibt es sicher, zum Beispiel Renato Sanches. „Ich hoffe, dass der Trainer bleibt“, sagt der Mittelfeldspieler vor dem Duell mit seinem früheren Club. Der Portugiese hat sich unter Kovac weiterentwickelt, einen Schritt nach vorne gemacht, anderen dagegen scheint jegliches Selbstvertrauen abhanden gekommen zu sein in den vergangenen Wochen.
Kovac will trotz der Kritik und der – vor allem für ihn – prekären Situation nicht viel ändern gegen Benfica. „Wir werden mit Sicherheit nicht alles über den Haufen schmeißen“, sagte er. Den Vorwurf, dass ihm Konzept und Plan B fehle, lässt Kovac nicht gelten. Die Mannschaft gehe immer mit einer Idee ins Spiel, auch gegen Düsseldorf sei dies der Fall gewesen. „Wenn sich alle daran gehalten hätten, hätten wir das Spiel gewonnen.“
Noch ist Kovac beim FC Bayern, aber wenn ein Trainer angezählt ist, wird in der Öffentlichkeit schnell über mögliche Nachfolger spekuliert. Erst recht beim deutschen Rekordmeister. Weil es für einen Club mit allerhöchsten nationalen und internationalen Ansprüchen wie Bayern nicht so leicht ist, einen geeigneten Trainer zu finden, sind die Kandidaten übersichtlich. Schnell landet man bei Arsene Wenger. Der Name des 69-Jährigen, will die „Bild“ wissen, falle „intern immer häufiger“. Der gebürtige Elsässer war zuletzt 22 Jahre beim FC Arsenal und hat den Ruf, sowohl gut mit Stars umgehen zu können als auch junge Spieler zu fördern. Zwei Jahre bevor Wenger beim Londoner Club unterschrieb, hatten die Münchner schon einmal bei Wenger angefragt. „Es ist leider nicht zustande gekommen damals“, hatte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge 2017 erklärt, als der FC Bayern wieder einmal auf Arsenal in der Champions League getroffen war.
Wenger erfüllt viele Voraussetzungen, um das Traineramt beim FC Bayern zu übernehmen, nur eine nicht: Er hat in 30 Jahren als Fußball-Coach keinen internationalen Titel gewonnen. Aber davon sind die Münchner trotz guter Chance auf einen Achtelfinaleinzug im Moment mindestens so weit entfernt wie in der Bundesliga von Borussia Dortmund.