Es war vor fünfzehn Jahren, zu einer Zeit, bevor es richtig losging mit dem großen Geld im deutschen Fußball. Der Gesamtumsatz der Bundesliga, so lasen wir damals, sei viel geringer als der des Döner-Gewerbes in unseren Städten. Ohne aktuelle Vergleichszahlen zu haben: Wir glauben, heute haben die Bundesliga-Vereine in ihrer Wirtschaftskraft die Döner-Buden überholt. Der Fußball hat sich ja auch entwickelt – zum Hochglanzprodukt, dargeboten in Freizeitarenen. Hingegen Döner: Sind immer noch fettige Fleischfetzen in einem labbrigen Weißmehlgebilde, und die Soße tropft einem auf Jacke und Hose. (Gut, es gibt auch Gemüsedöner – ein bisschen Zeitgeist haben die Drehspießler aufgenommen).
657 Millionen Euro – mit dieser Umsatzzahl fürs letzte Geschäftsjahr wird der FC Bayern am Freitag auf seiner Jahreshauptversammlung protzen. Über der halben Milliarde liegt auch Borussia Dortmund, das seinen Mitgliedern und Aktionären die schöne Zahl 536 Millionen vorlegte. Und da sogar Clubs wie Freiburg und Augsburg, die eher am unteren Ende der Bundesligavermögenstabelle stehen, einem Jahresumsatz in dreistelliger Millionenhöhe nahekommen, muss man sagen: Die Liga hat sich gemacht. Als Uli Hoeneß neulich mal seinen FC Bayern hervorheben wollte mit der Frage, welcher Verein außer seinem von sich behaupten könne, dass er schwarze Zahlen schreibe, gingen in der Bundesliga viele Finger nach oben: 16 von 18 Clubs agieren im Plus.
Jedoch: Die Gewinne nach Steuern sind vergleichsweise schmal. 22 Millionen bleiben den Bayern übrig, 28,5 Millionen dem BVB, dessen schöne Bilanz sich eben auch dadurch erklärt, dass er vor allem als Verkäufer in Erscheinung getreten ist (Dembele, Aubameyang) – eine Ausnahmesaison also. Im „Spiegel“ konnte man neulich lesen, dass die Dortmunder nach einem Spielerverkauf nach England um frühere Zahlung der zweiten Ablöserate baten – zur Sicherung der Liquidität. Oha. Und obacht.
Selbst für die Bayern gilt das. Eine Saison ohne Champions League würde weh tun – zumal in Spielerzugänge investiert werden soll. In München geht man wohl ans Festgeldkonto ran, das übrigens auch Dortmund hat: 60 Millionen, hieß es gestern auf der Versammlung der BVB AG, liegen darauf. Aber man kriegt dafür ja praktisch keine Zinsen. Darum: Raus damit. War vor fünfzehn Jahren auch noch anders.
Guenter.Klein@ovb.net