Mit neuer alter Leichtigkeit

von Redaktion

Skispringer Wellinger knüpft endlich wieder an seine Topform an

VON PATRICK REICHARDT

Kuusamo – Die klirrende Kälte von Kuusamo verließ Andreas Wellinger mit einem schönen Gruß vom Weihnachtsmann. Ganz fröhlich stellte sich der Oberbayer nach der Siegerehrung in den Auslaufhang – und posierte mit der lange vermissten Leichtigkeit mit einer Frau und einem weißbärtigen Mann, die beide rot-weiße Mäntel trugen.

„Es war ein großer Schritt nach vorne“, sagte Wellinger nach seinem 2. Platz von Kuusamo. Einen Flug wie den auf 145,5 Meter im zweiten Durchgang hatte der Ruhpoldinger Skispringer lange nicht mehr erleben dürfen.

Für Wellinger setzt sich damit in einem extrem kurzen Zeitfenster das fort, was er in seiner Karriere schon gewohnt ist: ein stetiges Auf und Ab, eine sportliche Achterbahnfahrt zwischen den Extremen. Und die neuesten Ausschläge des Achterbahn-Fahrers heißen: Die erste Qualifikation zum Saisonstart so verhageln, dass er nicht einmal ins deutsche Team für das Mannschaftsspringen nominiert wird. Und eine Woche später vom Podest den Kameraden zujubeln, die vor Wochenfrist noch die Besseren waren.

„Meine Form war vor zwei Wochen noch nicht so gut, daher bin ich über diese Sprünge und dem zweiten Platz sehr zufrieden. Vor dem Wochenende hätte ich nicht erwartet, dass ich hier auf dem Podium stehe“, gab der 23-Jährige zu.

Vor dem Winter hatte man in diesem ausgeglichenen DSV-Adler-Team ja mehreren Athleten den Sprung ganz nach vorne zugetraut. Dem letztjährigen Gesamtzweiten Richard Freitag genauso wie Markus Eisenbichler, der endlich durchstarten will. Aktuell scheint es aber wieder Wellinger zu sein, der „seine Sachen beisammen hat“, wie es Bundestrainer Werner Schuster formuliert. Nur Ryoyu Kobayashi, den Wellinger „wie ein Blatt Papier“ durch die Luft fliegen sah, blieb unantastbar. Der Japaner gewann mit klarem Vorsprung.

Wellingers Aufschwung macht Hoffnung für die Saison-Höhepunkte im WM-Winter. „Es ist ein wirklich angenehmes Gefühl zu sehen, dass die Jungs immer näher an ihr Maximum kommen“, analysierte Schuster – er meinte damit vor allem den Ruhpoldinger. Nach dem Olympiasieg von Pyeongchang hatte Wellinger sich sichtlich schwer getan. Es folgten schlechte Platzierungen, ein langer und harter Sommer ohne Erfolge.

Wie wichtig die ersten Schanzen-Wochen sind, das wusste Wellinger schon im Oktober, als ihm noch ein Fehlstart zu drohen schien. „Je weiter man am Anfang weg ist, desto schwieriger ist es, das Ganze aufzuholen. Ich hoffe, dass ich den anderen das Leben schwer machen kann“, prognostizierte Wellinger damals. Das gelingt ihm schon deutlich besser als erwartet.

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