Vettels Kampfansage an Hamilton

von Redaktion

Das Ziel des Ferrari-Piloten: „Den Titel wegnehmen. Ganz einfach“ – Kritik von Ecclestone

VON CHRISTOF STÜHM

Abu Dhabi – Bevor Sebastian Vettel sagen konnte, wie seine Pläne für den Urlaub aussehen, machte Lewis Hamilton einen Vorschlag. „Noch ein Baby?“, warf der Weltmeister ein. Der zweifache Familienvater Vettel konterte schlagfertig, wie es ihm auf der Strecke zuletzt kaum noch gelungen war. „Ich weiß nicht“, sagte er und grinste: „Es wäre schnell erledigt. Wenn du einen Rat brauchst, ich weiß, wie es geht.“

Mit seinem flotten Spruch hatte Vettel nach dem Formel-1-Saisonfinale endlich wieder die Lacher auf seiner Seite, doch dann wurde der Heppenheimer schnell nachdenklich. Für ihn sei es „ein ziemlich schwieriges und anstrengendes Jahr“ gewesen, sagte der Ferrari-Star, der lange vom WM-Titel geträumt, dann aber doch gegen Hamilton keine Chance hatte.

Vettel braucht deshalb „definitiv“ eine Pause, er will Zeit mit der Familie und Freunden genießen, zu Hause „einige Reparaturen“ durchführen, um dann 2019 mit voller Energie wieder anzugreifen. Der „Corriere della Sera“ hatte einen sarkastischen Vorschlag für den viermaligen Weltmeister: „Rad fahren und Motorräder restaurieren in der Hoffnung, den Champion in sich wiederzufinden, der er einmal war.“

Das wird nötig sein, denn Vettels Mission lautet: Hamilton „den Titel wegnehmen. Ganz einfach.“ In der Praxis dürfte das nicht ganz so leicht werden, schließlich fuhr Mercedes-Mann Hamilton 2018 auf einem nie dagewesenen Level. „Es war ein großartiges Jahr“, sagte der Brite, nachdem er die Saison mit seinem elften Sieg im 21. Rennen beendet hatte. „Hamilton ist der neue Menschenfresser der Formel 1“, titelte die „Gazzetta dello Sport“. Doch Vettel glaubt trotzdem fest an seine Chance. „Wir wissen im Team, wo die Schwachstellen sind“, sagte er: „Es liegt nur an uns, an den Schrauben zu drehen und den Schritt nach vorne zu machen.“

Allerdings bezweifeln einige Experten, dass ihm noch gelingen wird, was der siebenfache Weltmeister Michael Schumacher einst schaffte. „Michael hat Ferrari auf seine Schultern genommen und das Team aus der Krise geführt. Er war ein Leader. Vettel ist nicht so“, sagte der frühere Formel-1-Boss Bernie Ecclestone.

Vettel werde bei Ferrari nicht geliebt, meinte Ecclestone. Und in der Tat wuchs in Italien nach dem Titel-K.o. zuletzt die Kritik an dem Heppenheimer. Teamchef Maurizio Arrivabene bewies in Abu Dhabi, dass die Nerven in Maranello ziemlich blank liegen. „Was wollt ihr von mir, soll ich ihn vielleicht feuern?“, schnauzte er die Reporter an.

Vettel schaffte 2018 fünf Siege und fünf Poles – das ist gut, aber eben zu wenig für den Titel. Sie seien „hier und da vorgeführt“ worden, räumte Vettel ein, schwor sein Team aber auch schon wieder auf 2019 ein: „Wir probieren es wieder.“ Er wolle „jedes Detail“ anschauen, um stärker aus der Niederlage hervorzugehen.

Für Ferrari muss es wieder „zur Gewohnheit werden, die ersten beiden Plätze zu holen– das darf nicht die Ausnahme bleiben“ – sagte Arrivabene: „So wirst du vom Kämpfer zum Sieger.“ Doch dafür müsse sich vieles ändern, sagte Vettel: „Wir wissen, wo wir den Hebel ansetzen müssen, um stärker zurückzukommen.“

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