Entspannung für einen Abend

von Redaktion

Durch das 5:1 über Benfica Lissabon spaziert der FC Bayern ins Achtelfinale

VON ANDREAS WERNER

München – Champions League-Heimspiele beim FC Bayern haben ihre eigene Dramaturnie. Oft beginnen sie mit einem frühen Tor, womöglich einem zweiten und der zügigen Gewissheit, dass dem Gastgeber keine Gefahr droht. In diesen Wochen aber, wo ständig etwas aufs Schrecklichste schiefgeht, hätte man nicht zwingend damit gerechnet, dass das Muster sich wiederholt. Doch tatsächlich gerieten die Bayern und ihr schwer angeschlagener Trainer Niko Kovac gestern Abend gegen Benfica Lissabon nie in Bedrängnis. Das 5:1 durch Tore von Robben, Lewandowski (je 2) und Ribery besiegelt nicht nur den Einzug ins Achtelfinale. Es sorgt auch dafür, dass die nächsten Tage für die Gebeutelten wieder etwas ruhiger werden. Auch wenn noch niemand weiß, ob es nur eine trügerische Ruhe ist.

Wieder und wieder ist in den vergangenen Wochen über den Zwang zur Erneuerung und zum ganz großen Umbruch bei den Bayern debattiert worden. Das entscheidende Element war dann aber gestern Abend eines, das man seit vielen Jahren kennt. Wahrscheinlich das älteste, das die Bayern momentan in ihrem Repertoine haben. Arjen Robbens Laufweg vom rechten Flügel in die Mitte und der Abschluss mit dem linken Fuß hätten längst eine Sonderausstellung in der Erlebniswelt verdient. Nur die Abwehr von Benfica Lissabon, die kannte den Trick noch nicht.

Und so machte sich der Niederländer in der 13. Minute auf die Reise, schlängelte sich zwischen drei Abwehrspielern durch, umkurvte einen vierten und beförderte die Kugel schließlich über den Kopf eines fünften ins Netz. Viel spektakulärer kann man seinem Trainer in der Not nicht Hilfe leisten. Das zweite Robben-Tor konnte dann ästhetisch auch nicht ganz mithalten, obwohl es im Grundsatz nahezu baugleich war. Allerdings trickste er da nur einen Verteidiger aus. Und er traf diesmal ins kurze Eck.

Schon zu diesem Zeitpunkt zeichnete sich deutlich ab, dass es für Kovac kein weiterer Abend des Schreckens werden würde. Dafür agierte seine Mannschaft nicht nur offensiv zu zwingend, anders als in fast allen vergangenen Partien. Die Bayern waren auch in der Rückwärtsbewegung anfangs wesentlich wacher und sattelfester als noch am Wochenende. Im zentralen Mittelfeld betätigten sich Joshua Kimmich und Leon Goretzka gemeinsam als Wellenbrecher gegen die Portugiesen (die aber auch wenig mitreißend auftraten) und sorgten dafür, dass hinter ihnen die zuletzt getadelten Innenverteidiger Süle und Boateng kaum mal in brenzlige Situationen gerieten.

Zumindest war das in der ersten Halbzeit so, die am Ende dermaßen einseitig geriet, dass der Jubel im Stadion nach Robert Lewandowskis Kopfballtreffer zum 3:0 (36.) fast schon wieder nach Routine klang. Aber von diesem Grad an Überlegenheit sind die Bayern dann doch momentan ein gutes Stück entfernt. Wie schnell das Unheil über sie hineinbrechen kann, erfuhren sie Sekunden nach Wiederanpfiff. Da grätschte Boateng mit Karacho an einem Ball vorbei und riss damit eine Lücke, die Benfica für einen Doppelpass und das 3:1 durch Gedson nutzte.

Für ein paar Minuten fühlte sich die Bayern-Gemeinde zurückerinnert an jene Spiele, in denen ihre Mannschaft einen Vorteil auf schockierende Art wieder hergab. Aber diesmal war es nur ein kurzer Schreckmoment. Schon Riberys Solo wäre fast vom vierten Tor gekrönt worden (50.), das übernahm dann Lewandowski eine Minute später. Später kam aber auch der grimmige Franzose noch zu seinem Recht, am Ende eines unerwartet harmonischen Abends.

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