München – Die Krise des FC Bayern ist ein weites Feld, seit Montagabend erstreckt es sich bis nach Aurich. Allerdings nicht in die Stadt, die laut offizieller Homepage „im Herzen Ostfrieslands“ verortet ist. Sondern in den Landkreis Ludwigsburg, wo der Stadtteilclub TSV gerade dabei ist, sich im Fußball einen Namen zu machen. Oder besser gesagt: Uli Hoeneß bringt ihn groß raus.
Der Haken daran ist allerdings, dass der TSV Aurich nach Ansicht des Präsidenten für alles steht, was klein und provinziell ist, also das Gegenteil der Bayern bedeutet. Und nur mal angenommen, der kommende starke Mann der Bayern habe nie professionell Fußball gespielt, sondern bei besagtem TSV (aktuell Kreisliga B 7), könne er Kritik an einem Kaliber wie Franck Ribery gleich vergessen. Sage so jemand dem Franzosen zum Beispiel, „Heute hast du wieder einen schönen Mist gespielt“, könne er sich auf eine unmissverständliche Antwort gefasst machen. Ribery, ahnt Hoeneß, würde antworten: ,Also, können wir uns bitte über das Machen von Erdbeer-Marmelade unterhalten, aber bitte nicht über Fußball.“
Gewohnt eindringlich hat sich Hoeneß auf dem Youtube-Kanal der Bayern-Basketballer über die Herausforderungen der Gegenwart und vor allem der Zukunft geäußert. Wenn man ihn richtig verstanden hat, ist es für einen Funktionär demnach unerlässlich, eine eindrucksvolle Vita als Profikicker vorweisen zu können. Europameister gewesen zu sein, vielleicht sogar Weltmeister – oder zum Beispiel auch ein leibhaftiger Titan.
Einen konkreten Kommentar zu Oliver Kahn und dessen Eignung als künftiger starker Mann gibt Hoeneß nicht ab. Aber je klarer er das Anforderungsprofil der Bayern umreißt, desto mehr drängt sich der Ex-Welttorhüter auf: „Soziales Verhalten, Menschen zu mögen, Hochleistungssport betrieben zu haben und wirtschaftliche Zusammenhänge zusammenfügen zu können.“ Im Aufsichtsrat herrsche weitgehende Einigkeit, dass der oder die künftigen Lenker aus dem großen bis sehr großen Fußball stammen müssen: „Im Gegensatz zu einem normalen Management erwarten der Spieler und der Trainer schon, dass du mit denen über die Hauptsache, nämlich den Sport, auf Augenhöhe diskutierst.“
Neulich hat Hoeneß mal angedeutet, schon nächstes Jahr abzutreten – wenn doch nur ein geeigneter Kandidat vorhanden wäre. Aber man ahnt, so schnell wird das nicht gehen. Schließlich sprach er im selben Atemzug von der „eierlegenden Wollmilchsau“, die es zu finden gelte. Zwei, drei Jahre wird der Umbruch auf der Führungsebene wohl schon noch dauern. Seine „wichtigste Aufgabe“, beteuert Hoeneß, bestehe darin, „die Nachfolge zu regeln und nicht ewig am Stuhl zu kleben“. Irgendwann müsse Schluss sein, sagt er, vielleicht auch ein bisschen kokett. „Je eher, desto besser.“. MARC BEYER